Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
291
Einzelbild herunterladen
 

11. Krieg' zwischen Sparta u. Theben. Agesilaus, Pelopidas u. Epaminondas. 291

der Gründe zum Rückzug der Thebaner gar keine Erwähnung. Plutarch'sBiographie des Epaminondas ist leider verloren gegangen.Diodorus von Sicilien sagt, dass die Spartaner aus Sparta heraus demthebanischen Heere entgegengerückt wären, als dies den Eurotas über-schritt, es in eine Schlacht verwickelt, ihm grosse Verluste beigebrachthätten, aber wegen dessen bedeutender numerischer Uebermacht sichkämpfend hätten nach Sparta zurückziehen müssen. Hier, auf dem Weich-bilde der Stadt, hätte sich ein erneuter, furchtbarer und blutiger Kampfentsponnen, in welchem die Thebaner mehrmals fast vollkommen in denBesitz der Stadt gelangt wären, dabei aber solche Verluste erlitten hätten,dass Epaminondas sich genöthigt sah, zurückzugehen, und nun die Ver-wüstung Lakoniens fortgesetzt hätte. Xenophon endlich erzählt inseiner »griechischen Geschichte«, dass, als das thebanische Heer mit einerzahlreichen Reiterei vor sich her (thebaniseher-. phocischer, lokrischer,eleischer und thessalischer gegen Sparta vorgegangen, demselben diespartanische Reiterei entgegen gegangen wäre. Das thebanische Heerhabe mit Verachtung die geringe Zahl derselben gesellen und sei im Vor-rücken geblieben: kaum aber sei bei einem nahe gelegenen Tempel plötz-lich ein bis dahin dort versteckt im Hinterhalte gelegenes kleines Corpsspartanischen Fussvolks zum Vorschein gekommen, mit der deutlichenAbsicht, seine Reiterei zu unterstützen, so habe die gesammte Reiterei,und ihrem Beispiele folgend die zahlreiche Infanterie des thebanischenHeeres sich schleunigst in Unordnung zurückgezogen, so gross warnoch, sagt Xenophon, der Ruhm der spartanischen Truppen und der durchsie verursachte Schrecken. Da Agesilaus nicht beabsichtigt habe, denFeind zu verfolgen, noch sich in ein Gefecht mit ihm einzulassen, son-dern nur ihm mit dem Kampfe habe drohen wollen, so hätte er die spar-tanischen Truppen auf den vortheilhaftesten Punkten vor der Stadt auf-gestellt. Das thebanische Heer sei auf einige Entfernung von der Stadtzurückgegangen und habe dort ein Lager bezogen. Trotz der Drohunggegen Sparta habe Epaminondas diese Stadt doch nicht mehr einzunehmenvermocht. In dem eigentlichen thebanischen Heere hätte er straffe mili-tärische Disciplin und Ordnung und Wachsamkeit aufrecht erhalten; inden Truppen der Arkadier und der übrigen Bundesgenossen hätte er aberder Unordnung, Nachlässigkeit und Unvorsichtigkeit, welche von derPlünderung unzertrennlich sind, gar nicht zu steuern vermocht, unddem Plündern hätten diese Truppen sich im höchsten Grade ergeben.Die Arkadier, Argiver und Eleer seien sogar ohne Vorwissen und Geneh-migung des Epaminondas und der Böotarchen mit der von ihnen gemach-ten Beute in ihre Heimath zurückgekehrt. Die übrigen Truppen begannenan Lebensmitteln Mangel zu leiden, die Jahreszeit war für weitere Unter-nehmungen ungünstig, und deshalb habe der Rath der Böotarchen be-

19*