290 II. Vom Anfang der griecli.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.
zogen am Eurotas weiter hinab, überschritten ihn bei Amyklä und gingenvon da auf Sparta los, indem sie fortfuhren das Land auszuplündern undzu verwüsten. Hierdurch wollten sie. wie es scheint, die Spartaner ausder Stadt herauslocken und sie im offenen Felde schlagen.
Sparta war in Schrecken und Aufregung. Niemals hatte bis jetztwährend 600 Jahren Lakonien einen Feind innerhalb seiner Grenzen ge-sehen, aber niemals war auch über die Spartaner solche Muthlosigkeitgekommen und hatten sie so wenig Vaterlandsliebe, Anhänglichkeit undGehorsam gegen ihre Regierung gezeigt! In Sparta selbst wurde eineVerschwörung entdeckt, und' die Regierung, die den eigenen BürgernSpartas und den Lacedämoniern nicht mehr traute, wagte nicht, sie zubewaffnen. Aber der hochbetagte Agesilaus rettete durch seine festen,energischen, wirksamen und strengen Massregeln die Stadt Sparta odertrug wenigstens viel zu ihrer Rettung bei. Er liess die Verschwörer hin-richten, bewaffnete 6000 Heloten, versprach ihnen für treue Dienste dieFreiheit und stellte sie in der Mitte und auf den wichtigsten Punkten derStadt auf, fest entschlossen, den Kampf in der Stadt anzunehmen, abernicht im offenen Felde, wie es die Thebaner wünschten. Sobald er ent-deckte, dass der Feind über den Eurotas giug um Sparta anzugreifen, soconcentrirte er sofort seine Truppen auf der Anhöhe inmitten der Stadt,entschlossen, hier den hartnäckigsten Widerstand zu leisten. Zugleichwurden Gesandte mit der Bitte um Unterstützung fortgeschickt, sowohlzu den Verbündeten Spartas im Nordwesten des Peloponnes, als auch zuden Athenern. Korinth, Sicyon, Phlius. Epidaurus und einige andereStädte des nordwestlichen Peloponnes sandten Hülfstruppen nach Sparta.Die Athener waren in zwei Parteien getheilt: die eine wollte Sparta deinihm drohenden Unheil überlassen, die andere dagegen, von Dankbarkeitfür die Grossmuth Spartas nach dem Siege bei Aegos-Potami getriebenund zugleich von Neid gegen die wachsende Macht Thebens und vonFurcht davor bewegt, wollte, dass Sparta die verlangte Hülfe gewährtwürde. Die letztere Partei behielt endlich die Oberhand, und Iphikrateswurde mit einem athenischen Heere in den Peloponnes gesandt.
Inzwischen rückte das thebanische Heer gegen Sparta auf dessenSüdseite vor. Und nun gehen die Angaben der Geschichtschreiber bedeu-tend aus einander, ja widersprechen sich sogar. Plutarch in seinerLebensbeschreibung des Agesilaus sagt nur, dass Epaminondasmit den Spartanern in Sparta selbst sich in ein Gefecht einlassen unddort Siegeszeichen errichten wollte, dass er aber nicht vermocht hätte, denAgesilaus zu verleiten, dass dieser sich in einen Kampf verwickelte oderdie von ihm in der Mitte der Stadt besetzte Anhöhe verliess, und dass er.Epaminondas, deshalb gezwungen gewesen sei, wieder zurückzugehen.In des Pelopidas Biographie thut er dieser Affaire bei Sparta und