288 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
Leuktra zeigten die Spartaner grosse Festigkeit, die Regierung rief sofortalle Spartiaten und Lacedämonier, die über 40 Jahre alt waren, zu denWaffen, selbst die Beamten nicht ausgenommen. Nachdem sie raschdie Hülfstruppen der Verbündeten Spartas an sich gezogen hatten, wur-den sie unter dem Befehl eines Sohnes von Agesilaus, Archidamus, dembei Leuktra eingeschlossenen Heeresreste zu Hülfe gesandt.
Die Thebaner hatten ihrerseits den Athenern und Jason, dem Ty-rannen von Pherä in Thessalien, ein Bündniss mit sich angetragen. DieAthener, missgünstig wegen der wachsenden Macht Thebens und zugleichdadurch beunruhigt, lehnten das Bündniss mit ihnen ab. Aber Jason,jetzt der sehr mächtige Herrscher Thessaliens, zog rasch mit einem star-ken Heere nach Phocis und vereinigte sich, da er hier keinen Widerstandfand, in Böotien mit den Thebanern. Nun trat er als Vermittler zwischenTheben und Sparta auf, war zum Abschluss eines Waffenstillstandeszwischen ihnen behülflich und machte es dadurch dem bei Leuktra ein-geschlossenen spartanischen Heere möglich, über den Cithäron in dasmegarische Gebiet abzuziehen, wo es zu den Truppen des Archidamusstiess und nun mit diesen in den Peloponnes zurückkehrte (371).
Im folgenden Jahre (370) gelang es Epaminondas, im Peloponnesselbst Feinde gegen Sparta zu erwecken, und von nun an wurde derPeloponnes der Schauplatz von Streitigkeiten und Bürgerkriegen, welcheTheben Anlass gaben zu fortwährender Einmischung in die Angelegen-heiten dieses Theiles von Griechenland und zur Verpflanzung des Kriegesdorthin. Die Mantineer bauten Mantinea wieder auf, die Städte Arka-diens (Orchomenus ausgenommen) schlössen einen neuen selbständigendemokratischen Bund, dessen Mittelpunkt die dazu von den Arkadiernneu erbaute Stadt Megalopolis war (370). Darüber aufgebracht, bat dieoligarchische Gegenpartei in Sparta um Hülfe. Aber alle Anstrengungendes Agesilaus und der Spartaner waren vergeblich! Im Winter 370/369vollführte Agesilaus einen Zug nach Arkadien, gewann die Oberhand inallen Treffen und vereinzelten Affairen mit den Arkadiern, welche denkleinen Krieg führten, konnte sie aber zu keiner allgemeinen Schlachtzwingen, da sie dem stets auswichen. Nachdem er das arkadische Gebietund das von Mantinea ausgesogen und verwüstet hatte, kehrte er deshalbohne weitere Erfolge nach Lakonien zurück. Epaminondas eilte, diese• Spaltung im Peloponnes selbst für sich auszunutzen. Theben trat aufdie Seite des arkadischen Bundes, reizte die benachbarten Staaten gegenSparta auf, und im Januar 369 rückte ein thebanisches Heer, verstärktdurch die Hülfstruppen der Phocier, Lokrer, Akarnanier, Melier, Eu-böer und einiger anderer, unter Epaminondas' Führung in den Peloponnesein. Agesilaus war schon nicht mehr in Arkadien; und durch Hülfstrup-pen der Argiver, Eleer, Arkadier und sogar durch Flüchtlinge aus Lako-