11. Krieg zwischen Sparta u. Theben. Agesilaus, Pelopidas u. Epaminondas. 285
sich nun auch alle übrigen Böotarchen für die Schlacht im offenen Felde.Es wurden alle möglichen Mittel angewandt zur Ermuthigung und An-feuerung der Thebaner, kräftige begeisternde Reden, günstige Vorbe-deutungen und Zeichen etc., und dem Epaminondas wurden der Oberbe-fehl und alle Anordnungen zur Schlacht übertragen, — und vorwärtsging's nach Leuktra.
Hier hatte sich unterdessen Kleombrotus einer unbegreiflichen Un-thätigkeit hingegeben. Seine Unterbefehlshaber hatten mit allen Kräftenversucht, ihm Muth und Thatkraft einzuflösseu, die er, wenn Xenophonwahr berichtet, niemals besass, und riethen ihm nun den Thebanern ent-gegen zu ziehen und sich in eine Schlacht mit ihnen einzulassen. DerKriegsrath wurde zusammenberufen; während aber hier die verschie-denen Ansichten lebhaft debattirt wurden, rückte das thebanische Heernäher, und nun musste man sich zum Kampfe bereiten (am 8. Juli 371Nachmittags). Das Heer stellte sich vorwärts des Lagers in folgenderWeise auf: Kleombrotus mit der spartanischen Phalanx, welche zwölfGlieder tief stand, auf dem rechten Flügel: vor ihm, ohne irgend welchentriftigen Grund, ohne ersichtlichen Nutzen, nur weil das Terrain dort ebenwar, die spartanische Reiterei, welche übrigens zu dieser Zeit ganz be-sonders schlecht war; im Centruni und auf dem linken Flügel standendie verbündeten Truppen. Im Ganzen belief sich das spartanische Heer,nach Plutarch's Angaben, auf 10,000 Mann Fussvolk und 1000 Reiter;andere Schriftsteller geben die Stärke nicht bestimmt an und sagen nur,dass es fast zweimal so stark gewesen sei, als das thebanische, oder doches an Zahl weit übertreffen habe.
Das thebanische Heer war im Ganzen etwa 8000 Mann stark: 6000Mann schweren, 1500 Mann leichten Fussvolks und 500 thessalischeReiter. Als Epaminondas sich dem feindlichen Heere näherte und dessennumerische Uebermacht erkannte, leuchtete ihm das Unzweckmässige,ja Gefährliche eines Frontalangriffs gegen dasselbe ein, und ein neuerlichtvoller Gedanke schoss ihm durch den Kopf. Er beschloss seinenStoss nicht mit seiner ganzen Front gegen die ganze Front des Feindeszu richten, sondern mit seinem verstärkten linken Flügel gegen denrechten Flügel des feindlichen Heeres vorzubrechen, d. h. gegen denbesten zuverlässigsten Theil und den eigentlichen Kern desselben, diespartanische Phalanx, — während dessen seinen rechten Flügel zu ver-halten, mit dem Centrum aber zur Unterstützung des linken Flügelsunter Vorziehung der links stehenden Abtheilungen nachzurücken, —mit einem Wort, mit seinem linken Flügel gegen den rechten des Feindesin schräger Schlachtordnung anzugreifen. Zu diesem Zweckstellte er die Spitze des linken Flügels der thebanischen Phalanx ineinem dichten tiefen Viereck (wir würden heute »Colonne« sagen) auf,