284 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis-zum Tode Alexander's d. Gr.
niedrigsten Stellungen und Aemtern, durch ungewöhnliche Grösse desGeistes und seltne kriegerische Begabung. Von diesen befehligt, konn-ten die Thebaner, selbst wenn alle sonstigen Umstände für Spartagünstig waren, schon nicht nur die Hoffnung, sondern die volle Gewiss-heit des Sieges haben.
Und gleich von Anfang an begann sich diese Hoffnung unter denglänzendsten Vorbedeutungen zu erfüllen. Pelopidas und Epaminondaserwarteten des Kleombrotus Einfall von Phocis. von der Seite derGrenze Böotiens her und hatten deshalb mit ihren Truppen die Gebirgs-pässe zwischen Böotien und Phocis besetzt. In der That hatte Kleom-brotus den Befehl erhalten, aus Phocis nach Böotien einzurücken, umdie Autonomie der Städte dieses Landes aufrecht zu erhalten. Aber ertäuschte die Erwartung des Pelopidas und Epaminondas, indem er heim-lich und ungehindert seinen Marsch statt nach Osten — nach Südenrichtete und auf wenig betretenem Wege durch das Gebirge nach Kreusisgelangte, einem böotischen Hafen am Ufer des korinthischen Meerbusens.Nachdem er sich des Gebirgspasses aus dem Gebiet von Megara nachBöotien bemächtigt hatte, betrat er ohne Widerstand zu 'finden den thes-pischen Boden und bezog bei Leuktra ein Lager. Diese heimliche Flan-kenbewegung des Kleombrotus aus Phocis, einer fremden, wenngleichverbündeten Provinz, die vom Peloponnes durch den Meerbusen vonKorinth getrennt war, anstatt des geraden Hauptweges vom Peloponnesnach Böotien durch die korinthische Landenge, war nicht ungeschicktund berechtigt zu der Annahme, dass Kleombrotus sie nicht auf seineneigenen Kopf hin, sondern auf irgend welche fremde Eingebung unternom-men hatte. Unter den Thebanern verbreitete sie den grössten Schrecken.Die Böotarchen versammelten sich zum Bath, und hierbei ereignete sichdasselbe, was bei der Berathung der athenischen Strategen vor derSchlacht bei Marathon geschehen war. Die Mehrheit der Stimmen for-derte ein defensives Verhalten in der einen oder anderen Weise; aberEpaminondas, der zu dieser Zeit Böotarch war, bestand, wie Miltiadesdamals, entschieden auf sofortigem Anmarsch gegen Kleombrotus undEröffnung der Schlacht gegen ihn. Dies war dem Anschein nach dasAllernatürlichste; wenn man aber in Erwägung zieht, dass es sich hierzum ersten Male um einen Angriff der Thebaner gegen das ganzespartanische Heer handelte, das eben deshalb auch an Kräften überlegenwar, so muss allerdings des Epaminondas Meinung als eine sehr folgen-schwere, ja entscheidende und kühne angesehen werden, besonders beidem damaligen moralischen Stande der Thebaner. Pelopidas trat zuerstdieser Ansicht bei, und da er in ausserordentlichem Ansehen stand unddas grösste Vertrauen genoss, obgleich er zu dieser Zeit nicht einmalBöotarch war, sondern nur die heilige Schaar befehligte. so erklärten