11. Krieg zwischen Sparta u. Theben. Agesilaus, Pelopidas u. Epaminontlas. 283
der Athener mit dem harten und grausamen Vorgehen der Thebanergegen die Thespier und besonders gegen die Platäer, welche stets mitAthen befreundet gewesen waren, — die Thebaner hatten nämlich so-wohl die Thespier als die Platäer aus ihren Städten vertrieben und diesezerstört. Die Vertriebenen erbaten die Hülfe der Athener, — und Athennahm sie bei sich auf und schickte eine Gesandtschaft nach Sparta, umFriedensunterhandlungen anzuknüpfen. Alsbald traten in Sparta dieGesandten aller griechischen Staaten zusammen, darunter auch die ausTheben, und im Juli 372 wurde ein Friedensvertrag geschlossen, durchwelchen der Frieden des Antalcidas bestätigt und die Autonomie dergriechischen Städte neu befestigt ward. Die thebanischen Gesandten, anihrer Spitze Epaminondas, forderten dringend, dass ihre Unterschrift unterdem Friedensverträge nicht für Theben allein, sondern für alle böotischenStädte gelten sollte, indem sie behaupteten, Theben habe dasselbe Rechtüber die Städte Böotiens zu herrschen, wie Athen über die Städte Attikasund Sparta über die Lakoniens. Aber Agesilaus protestirte hiergegen, unddie Thebaner, ausgeschlossen aus dem allgemeinen Frieden und auf sichallein angewiesen, ohne Bundesgenossen, dem Staate Sparta gegenüber,der sie zur Anerkennung der Autonomie der böotischen Städte zwingenwollte, beschlossen mit allen Kräften sich dem zu widersetzen und nichtnur ihre Herrschaft über Böotien aufrecht zu erhalten, sondern sogar dieMacht Spartas zu brechen und die Hegemonie in Griechenland zu erlangen.Das waren in der That die Ziele, welche die thebanische Regierung, oderbesser gesagt die zwei hervorragendsten Mitglieder derselben — Pelopi-das und Epaminondas — sich gesteckt hatten. Eine Menge von Umstän-den berechtigten wirklich zu der Hoffnung auf Erfolg für dieses wichtigeund schwere Unternehmen. Auf der einen Seite waren alle Völker undStaaten Griechenlands, sogar die alten Verbündeten Spartas im Pelopon-nes mehr oder weniger gegen diesen hochmüthigen Staat von Feindschaftbeseelt. Auf der andern Seite gab es fast in jeder griechischen Stadt, jasogar in dem Heere des Kleombrotus eine den Thebanern ergebene Partei.Die Thebaner hatten schon eine numerische und moralische Macht undeine Vollkommenheit der militärischen Einrichtungen, Ordnung und Kunsterlangt, dass sie mit Wahrscheinlichkeit des Erfolges einen Entscheidungs-kampf mit Sparta wagen konnten, dessen Heer sie schon mehr als ein-mal in vereinzelten Treffen geschlagen hatten. Wichtiger aber alsalles Andere war die Ueberlegenheit ihrer Heerführer. Während aufSeiten der Spartaner Agesilaus krank und hinfällig war, Kleombrotusaber unfähig und gering geachtet, und sogar beschuldigt wurde, in Ge-sinnung und Thaten sich den Thebanern günstig zu erweisen, — standenan der Spitze dieser Letzteren zwei Führer, welche sich schon ausge-zeichnet hatten, der Eine in den höchsten, der Andre noch in den