10. Krieg Spartas mit den Persern. Feldzüge des Agesilaus. 259
Truppen und auf des Feindes wahrscheinliche Fehler verlassen hatte, —genug, in dem bei Haliartus sich entspinnenden Kampfe wurde sein Heeraufs Haupt geschlagen und er selbst fiel (394). Auf den benachbartenHügeln sich sammelnd, schlug das zersprengte Heer die weiteren An-griffe der Thebaner ab, dann aber, da der Feldherr Lysander fehlte,kehrten die Krieger in ihre Heimath zurück. Bald darauf erschien Pau-sanias vor Haliartus, und nun ereignete sich, was bis dahin in den An-nalen Spartas ohne Beispiel gewesen. Der spartanische König und derbei ihm befindliche Rath, den Kampf nicht wagend. entschlossen sich,die Leichen der in dem Treffen bei Haliartus Gefallenen um den Preissofortigen schimpflichen Rückzugs aus Böotien zu erkaufen. Pausaniaswurde dafür abgesetzt und zum Tode verurtheilt, rettete sich aber durchdie Flucht nach Tegea.
Der Sieg bei Haliartus und der Rückzug des Pausanias hatten wich-tige Folgern Mit den Thebanern und Athenern verbanden sich offendie Korinther, und dann nach und nach die Argiver, Akarnanier, Am-bracier, die Insel Leukadia, ein Theil von Thessalien, Euböa und diechalcidischen Städte in Macedonien. Sparta drohte grosse Gefahr, und diespartanische Regierung fand es nöthig, Agesilaus schleunigst aus Klein-asien abzuberufen.
Hier hatten inzwischen die Dinge für Sparta eine ausserordentlichwichtige Wendung genommen. Der Schreck.' welchen die vorhergehen-den Thaten und Erfolge des Agesilaus am persischen Hofe erzeugt hat-ten, und die Eile, mit der Artaxerxes den Vertrag des Dercyllidas be-stätigte, hatten die Ohnmacht der persischen Regierung deutlich darge-than und in Agesilaus schon weitgehende Pläne in Bezug auf Asienangeregt, die er wohl früher nicht oder wenigstens nicht in dem Gradegehabt hatte. Von den Rathschlägen Xenophon's geleitet, hatte er. —wenn dem Letzteren ganz zu glauben ist. — einen Gedanken gefasst,ähnlich dem, welchen 70 Jahre später auszuführen das Schicksal Alexan-"der dem Grossen vorbehalten hatte. »Nicht von Eitelkeit oder von eigen-nützigen Absichten, nicht durch Eroberungssucht getrieben, sondern indem Streben nach dem wahren Heile Griechenlands und nach dessenund seinem eigenen Ruhme«, — sagt Xenophon —, »fasste Agesilausden kühnen, grossartigen und folgenschweren Plan, das persische Reichzu zertrümmern und dessen verschiedenen Provinzen und Völkern Unab-hängigkeit und Selbständigkeit zu verleihen.« Und man muss sagen,dass Alles, oder wenigstens sehr Vieles die günstigsten Chancen undAussichten für ein solches Unternehmen gewährte. Der vorhergehendeVersuch und namentlich der Rückzug der 10.000 Griechen hatte dieMöglichkeit, ja die Leichtigkeit der Ausführung bewiesen und die dazuunerlässlichen Mittel angezeigt. Agesilaus genoss in Kleinasien solches