10. Krieg Spartas mit den Persern. Feldzüge des Agesilaus. 257
als die Bedeckungsmannschaften des griechischen Trosses sich um zuplündern an den Ufern des Paktolus zerstreut hatten, fiel ein Corps per-sischer Cavallerie über sie her und brachte ihnen grossen Verlust bei.Agesilaus eilte sofort mit seiner Cavallerie zu Hülfe; aber schon warjetzt die gesammte Reiterei des Tissaphernes herangekommen und hattesich in Schlachtordnung aufgestellt. Das Terrain war für den Kampfder Griechen gegen die überlegene Zahl und Beschaffenheit der feind-lichen Reiterei nicht günstig ;' — aber die Griechen hatten auf ihrer Seiteden Vortheil, dass ihr ganzes Heer concentrirt war, während bei denPersern die Reiterei allein, ohne Fussvolk, zieh zur Stelle befand. Age-silaus entschloss sich, diesen Umstand zu benutzen, mit seiner ganzenReiterei den Feind anzugreifen, mit der leichten Infanterie in raschemLaufe hinter derselben zu folgen, — und hinter dem leichten Fussvolkführte er persönlich in raschem aber geschlossenem Gleichschritt dieganze Phalanx heran. Die Perser hielten den Choc der griechischenReiterei aus. erzitterten aber beim Anblick der heranstürmenden furcht-baren Phalanx mit dem leichten Fussvolk davor, — und flohen, indemsie ihr Lager und reiche Beute darin in den Händen der Griechen liessen.Das leichte griechische Fussvolk wollte sich sogleich ans Plündern be-geben; — Agesilaus aber umstellte das Lager mit seinem schwerenFussvolk und verhinderte so, dass es ausgeplündert wurde. In Sardeswar man allgemein mit Tissaphernes unzufrieden, weil er nicht sich beiseinem Heere befand, und Schrecken verbreitete sich besonders jetzt,als des Agesilaus Heer gegen die Stadt rückte und die Umgegend zuplündern und zu verwüsten begann. Um das Volk noch mehr gegen diePerser aufzuregen, erklärte sich Agesilaus zum Freund und Beschützeraller Derer, welche ihre Freiheit zu erlangen wünschten, und sprach seineBereitwilligkeit aus, das Recht der Perser auf die Herrschaft in Klein-asien mit den Waffen in der Hand zu bekämpfen. Selbst des persischenHofes bemächtigte sich der Schreck, und so gross war die Ohnmacht despersischen Reiches, dass Tissaphernes als der Haupturheber alles Vorher-gegangenen hingerichtet wurde, der an seine Stelle getretene Tithraustesaber sogleich mit Agesilaus Unterhandlungen anknüpfte, die Bedingungendes Vertrages mit Dercyllidas erfüllte und sogar 30 Talente*) an Agesi-
*) Das griechische Talent (womit gewöhnlich das attische gemeint ist) war so-wohl eine Gewichtsangabe = 60 Minen = 26,2 Kilogramm = 56 preussische Pfund,als eine Angabe von Geldwerth = etwa 1500 Thlr. preuss. Courant. Das italische Ta-lent = 100 römischen Pfunden, war an Werth = 1 i / i des Vorigen. 1 griechische Mine(Gewicht und Münze) = 100 Drachmen (wechselnd = 450—750 Gramm 1 , 18—26 Thaleran Werth. Die Goldmine war zehn mal so viel. (Die alexandrinische Mine = '/so desalexandrinischen Talents = 53 Thaler; die alexandrinische Goldmine war zehn malso viel) 1 Drachme = 5—S Silbergrosehen heutigen Werths. ■— Aninerk. d. Uebers.
öalitzin, Allgem. Kriegsgeschichte.' I, 1. 17