256 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
nabazus und stellte sich in einer Linie vier Glieder tief auf. Die Perserdagegen, in dichten Massen (nach heutigen Begriffen Colonnen) formirt,12 Pferde tief, warfen sich in dieser Formation auf die griechischeReiterei und warfen sie mit Verlust auf die Hauptkräfte zurück. DieserUnfall überzeugte Agesilaus davon, dass ohne eine zahlreichere, besserformirte und ausgebildete Reiterei es ihm unmöglich sein werde , in derEbene erfolgreich gegen die Perser zu kämpfen. Deshalb ging er nachEphesus zurück und traf nun im Winter 395 auf 394 alle möglichen Mass-regeln, zunächst zur Vermehrung seiner Cavallerie. Zu dem Zweckeberief er alle wohlhabenden griechischen Colonisten zum Reiterdiensteein, stellte ihnen aber frei, Söldner für sich eintreten zu lassen, wenn sienur gut beritten und gut bewaffnet waren. Die griechischen Ansiedlerentwickelten hierbei den grössten Eifer, und im Frühjahr 394 war desAgesilaus Reiterei erheblich vermehrt durch gut bewaffnete und ausge-rüstete Reiter auf tüchtigen Pferden. Agesilaus hatte sein ganzes Heerin Ephesus versammelt und nahm die sorgfältigsten Uebungen nichtallein mit den Hopliten, sondern auch mit den Peltasten. den Psiloi undder Reiterei vor. Um den Wetteifer zu erregen, setzte er Ehrenpreise fürdiejenigen aus, die sich besonders auszeichneten. Ausserdem nahm ereingehende Besichtigungen der Bewaffnung und des gesammten Heeresvor, traf alle möglichen Anordnungen zur Sicherstellung des Unterhalts,brachte Lastvieh, zusammen und Kriegsvorräthe aller Art, Handwerker,Marketender etc., versuchte endlich auch durch religiöse Ceremonienauf das Gemüth seiner Krieger belebend zu wirken. »Denn wo Gottes-furcht lebendig ist,« — sagt Xenophon bei dieser Gelegenheit, —»wokriegerische Uebungen an der Tagesordnung sind und Kriegszucht geübtwird, darf da nicht Alles von Rechts wegen voll guter Hoffnung sein?«Inzwischen kehrten Lysander und die übrigen 29 Spartaner nach Ablaufeines Jahres nach Sparta zurück; den an ihrer Stelle Eingetroffenenwurden von Agesilaus verschiedene Befehlshaberstellen zugewiesen, überdie Reiterei, die Neodamoden. das Heer des Cyrus und die Contingenteder kleinasiatischen Griechen.
Nachdem Agesilaus auf diese Weise sein Heer für den nächstenFeldzug vorzüglich vorbereitet hatte, erklärte er, dass er es in diereichstefeindlicheGegend führen wolle, wo es den hartnäckigstenWiderstand zu erwarten habe. Tissaphernes, in der Annahme, dass dieseine neue Kriegslist sei, und besorgt, dass er abermals überlistet werdenmöchte, sandte wiederum sein Fussvolk nach Karien und stellte dieReiterei in dem Thal des Mäander auf; — er selbst blieb in Sardes (imFrühjahr 394). Aber Agesilaus that diesmal genau das, was er ange-kündigt hatte: er ging direct in das Gebiet von Sardes, und drei Tagelang konnte sein Heer ungestört dort plündern. Am vierten Tage, grade