254 IL Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
bis zu erfolgter Genehmigung dieser Bedingung durch Artaxerxes undSparta abgeschlossen (im Sommer 397).
So hatte. ohne glänzende Kriegsthaten. ohne grosse Siege : sogarganz ohne Blutvergiessen, lediglich durch consequente Aufrechthaltungeiner straffen Disciplin, durch Gerechtigkeit, Uneigennützigkeit und ver-ständige und feine Politik. Dercyllidas in Zeit von einem halben Jahrefür Sparta höchst wichtige Resultate erreicht. die griechischen ColonienKleinasiens von den Persern unabhängig gemacht und den EinflussSpartas an den Küsten Kleinasiens befestigt.
Bald ging in Sparta eine grosse Veränderung vor sich. Im Herbst397 starb der spartanische König Agis IL, und an seiner Stelle wurdeauf Betreiben von Lysander des Agis Bruder aus zweiter Ehe, Agesilaus,gewählt. Die Thronbesteigung des Agesilaus bezeichnet eine Epoche inder politischen und Kriegsgeschichte Spartas. 41 Jahre hat Agesilausgeherrscht (397 — 356], und während dieser ganzen Zeit war er alsStaatsmann und Heerführer die Stütze und der Stolz Spartas. In letz-terer Beziehung namentlich ist er auf eine Stufe mit den ausgezeich-netsten und bedeutendsten Feldherren Griechenlands zu stellen. Alleseine zahlreichen Feldzüge sind beachtenswerth und belehrend, vor allenaber die ersten in Kleinasien. Wir wollen die Hauptpunkte und Ver-dienste der einen wie der andern näher betrachten.
Ungefähr ein Jahr nach Wahl des Agesilaus (Anfang Herbst 396)erfuhr die spartanische Regierung. dass die Perser in den phönizischenHäfen eine starke Flotte ausrüsteten. Fast gewiss darüber, dass dasZiel dieser Rüstung darauf hinauslief. die kleinasiatischen Colonien derGriechen in der Gewalt der Perser zu behalten, und dass Artaxerxes denvon Tissaphernes und Pharnabazns mit Dercyllidas geschlossenen Waffen-stillstand nicht bestätigen werde, beschloss sie den Persern in Klein-asien zuvorzukommen und unverzüglich ein Heer dorthin zu schicken.Agesilaus persönlich wurde zu des Heeres Feldherrn ernannt, auf Vor-schlag Lysander's. der ihn unter seinen Willen zu bekommen und ihn zubeherrschen gedachte. Er forderte nur 2000 lacedämonische Neoda-moden und 600 Mann verbündeten schweren Fussvolks. ausserdem noch30 vornehme Spartaner als eine Art von Rath, in der Absicht, den spar-tanischen Oligarchen gefällig zu sein und sie desto leichter dazu zubringen, ihm den Oberbefehl im Kriege zu übertragen. In der That er-langte er auch denselben, und da er die geforderte Truppenzahl erhaltenhatte, ging er nun mit dem Kriegsrath aus den 30 vornehmen Spartanern(unter denen selbstverständlich sich auch Lysander befand) Ende desJahres 396 nach Ephesus. Aber schon gleich nach seiner Ankunft inKleinasien zeigte er deutlich seine Selbständigkeit und seine Unabhängig-keit von dem ihm beigegebenen Rathe und von Lysander. Ueberdies