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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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10. Krieg Spartas mit den Persern. Feldziige des Agesilaus. 253

Troas belagerte er lange erfolglos, und endlich wurde er in Folge derwiederholten Beschwerden der Ionier in Sparta nach Ahlauf der Jahres-dauer seines Commandos durch den Spartaner Dercyllidas abgelöst undin die Verbannung geschickt (398). Die Wahl des Dercyllidas war eineweit glücklichere. Kräftig und uneigennützig, zeigte Dercyllidas sichauch als geschickter Politiker. Nachdem er im Heere eine straffe mili-tärische Ordnung hergestellt hatte, gelang es ihm, erst durch gewandteUnterhandlungen Tissaphernes in Unthätigkeit zu erhalten, dann aber,sich gegen Pharnahazus wendend, mit feinem Verständniss die Unruhenund Verhältnisse in Aeolien zu benutzen und durch geschickte Unter-handlungen und die Aufrechthaltung strenger Zucht im Heere in einerWoche fast alle äolischen Städte zu besetzen, die sich dann auch unterden Schutz Spartas stellten. Hierdurch zwang er Pharnabazus in denAbschluss eines Waffenstillstandes zu willigen, dessen Hauptbedingungdie Anerkennung der Unabhängigkeit der äolischen Städte von den Per-sern bildete. Gestützt auf diesen Waffenstillstand, schützte Dercyllidasim Winter 398 auf 397 den thracisehen Chersones gegen die Einfälle derThracier durch Aufführung einer starken verschanzten Linie quer durchdie Halbinsel. Zum Beweise ihrer Dankbarkeit für alle diese Diensteverlängerte die spartanische Regierung das Commando des Dercyllidasauf ein weiteres Jahr.

Während dessen hatten sich die griechischen Städte Kariens anSparta gewandt mit der Bitte, auch sie, gleich den ionischen und äoli-schen Städten, unter seinen Schutz zu nehmen. Die spartanische Regie-rung ging bereitwilligst darauf ein und befahl Dercyllidas nach Karienzu gehen, der Flotte aber zur See mit ihm gemeinschaftlich zu handeln.Die unmittelbare Folge dieser im Frühjahr 397 stattfindenden Bewegungdes Dercyllidas nach Karien war aber die Vereinigung von Tissaphernes,der in Karien grosse und reiche Landgüter besass, mit Pharnabazus,gegen welchen er früher durch die schlaue Politik des Dercyllidas feind-lich aufgehetzt worden war. Während nun Dercyllidas nach Karien ging,fielen hinter seinem Rücken beide Satrapen in das Gebiet von Ephesusund begannen zu plündern und es zu verwüsten. Dercyllidas kehrte so-fort zurück. Von den davon laufenden ionischen Truppen verlassen undkaum noch 7000 Mann stark, stiess er in dem Thal des Mäander auf dievereinten Kräfte des Tissaphernes und Pharnabazus, die sich auf 20,000Mann Fussvolk und 10,000 Mann Reiterei beliefen. Zum Glück für ihnwar zwischen beiden Satrapen Uneinigkeit ausgebrochen. Pharnabazuswollte kämpfen, Tissaphernes aber, damit zufrieden, dass er Dercyllidasaus Karien fortgezogen hatte, knüpfte Unterhandlungen mit diesem an.Und bald wurde auf die Bedingung der Anerkennung voller Unabhängig-keit aller kleinasiatischen Städte von den Persern ein Waffenstillstand