9. Der Aufstand des jungem Cyrus und der Rückzug der 10,000 Griechen. 249
hatten. Danach fuhren die Griechen fort, ungestört im Lande die nöthi-gen Lehensmittel zusammen zu bringen, wurden auch allmälig vom Meereher aus den griechischen Colonien im Pontus Euxinus und dem Helles-pont damit versorgt, und wendeten sich nun bald, theils zu Lande, theilszur See, längs der Meeresküste dem Bosporus zu. Nach sechs Tagen (imJuni oder Juli des Jahres 400) gelangten sie endlich nach Chrysopolis,nicht mehr als 8000 Mann an der Zahl, nachdem sie von Sardes nachKunaxa und von Kunaxa nach Chrysopolis 34,650 Stadien (etwa 6000Werst = ca. 850 Meilen) in einem Jahr und drei Monaten zurückgelegthatten.
Ihre ferneren Thaten von ihrer Ankunft in Chrysopolis bis zu derRückfahrt nach Kleinasien und der Uebertritt in den Dienst Spartasgegen Sold (Anfang des Jahres 399) bilden schon eine, von ihrem Rück-zug aus Kleinasien vollkommen getrennte Episode, die weit wenigerwichtig ist. wenn sie auch in einigen Beziehungen nicht ganz ohne eigen-thümliche militärische Bedeutung erscheint. Im Wesentlichen umschlies-sen diese Thaten das Folgende •
Auf des Pharnabazus Bitte, das Heer des Cyrus aus Kleinasien zuentfernen, setzte Anaxibius, der Führer der spartanischen Flotte imHelles-pont, es an das europäische Ufer über, erklärte ihm, dass es in sparta-nische Dienste träte, und befahl ihm nach dem thracischen Chersones zugehen. Aber damit unzufrieden. empörte sich das Heer und drang ge-waltsam in Byzanz ein. Xenophon stillte indessen den Aufruhr und führtedie Truppen aus Byzanz heraus, wonach ein Theil derselben nach Grie-chenland zurückkehrte oder sich in den griechischen Städten der Pro-pontis niederliess, der zurückbleibende Theil aber gegen Sold in denDienst eines thracischen Herrschers, Seuthes, trat. Im Verlaufe eineszweimonatlichen Feldzugs im Winter von 400 auf 399 half dieses Heerdemselben nicht nur seinen Erbbesitz zurückgewinnen, woraus der Vaterdes Seuthes durch aufrührerische Unterthanen verjagt worden war, son-dern diese Besitzungen noch bedeutend erweitern. Da es indessen denihm zustehenden und von Seuthes noch nicht gezahlten Sold nicht zu er-langen vermochte, so willigte es gern darein, in den Dienst Spartas zutreten, das bis jetzt das Heer des Cyrus gefürchtet und beargwöhnt hatte,jetzt aber desselben bedurfte, denn der Krieg gegen die Perser war inSparta schon beschlossen. Nach Lampsakus übergesetzt. zog das Heernach Pergamus und blieb dort in Erwartung weiterer Befehle von derspartanischen Regierung.
§. 66.Sehluss.
Ein kurzer Ueberblick über den Rückzug der 10,000 Griechen er-giebt folgende Schlussbetrachtungen: