9. Der Aufstand des jungem Cyrus und der Rückzug der 10,000 Griechen. 241
Antrag wurde mit ihm ein Vertrag geschlossen, wonach Tiribazus sichverpflichtete, den Griechen freien Durchmarsch durch seine Provinz zugewähren, die Griechen aber versprachen, die Dörfer nicht anzuztindenund nur die notwendigen Lebensmittel zu nehmen. Darauf beschlossensie, durch Westarmenien nach Norden zu ziehen, zur Seite auf eine Ent-fernung von ungefähr 10 Stadien (l 3 /4 Werst = ca. 13—1400 Schritt) vonTiribazus begleitet mit allen Truppen seiner Provinz und den chalybischenund taochischen Miethsoldaten (den beiden unabhängigen Nachbarstäm-men angehörig). Auf diesem Zuge litten die Griechen, welche keine Zeltehatten und vorsichtshalber selten in den Dörfern Halt machten, sehr vondem in grosser Menge herabfallenden Schnee und der starken Kälte.Tiribazus, an Hinterlist dem Tissaphernes gleich, war den Griechen vor-ausgeeilt und versperrte auf dem Gipfel eines Berges (es scheint derUebergang über den Hauptrücken des Taurusgebirges gewesen zu sein)'ihnen den einzigen Weg, den sie gehen konnten. Die Griechen rücktensogleich dorthin, die leichte Infanterie voraus. Als diese letztere sich demLager des Tiribazus näherte, erhob sie ein grosses Geschrei und stürzte,ohne die Ankunft des schweren Fussvolks abzuwarten, auf das feindlicheLager los. Dadurch erschreckt, floh Tiribazus mit seinen Truppen; seinLager und reiche Beute darin fiel in die Hände der Griechen. BeimHerabsteigen in das Thal des oberen Euphrat gingen die Griechen überdiesen Fluss unweit seiner Quellen, wo ihnen das Wasser nur bis an denGürtel reichte, und setzten dann ihren Weg in tiefem Schnee fort, mehrund mehr von der Kälte und einem eisigen Winde leidend. Viele Solda-ten erfroren Hände und Fasse, einige kamen um, und mit jedem Tagevermehrte sich die Zahl der Kranken, Schwachen und Zurückgebliebenen.Inzwischen hatte sich ein Theil des Heeres des Tiribazus wieder gesam-melt und begann die Griechen zu verfolgen, wobei die zurückgebliebenengriechischen Soldaten und das Gepäck ihnen in die Hände fiel. ZumGlück war an Wein und Lebensmitteln kein Mangel, und Xenophon,der Nahrung und Wein an diejenigen Soldaten vertheilte, welche vorKälte und Erschöpfung nicht mehr vom Fleck konnten, belebte ihreKräfte wieder. Trotz alledem gab es immer noch viele Schwache undZurückbleibende, und nur der Muth und die Geschicklichkeit Xenophon'sund die Tapferkeit und Ordnung der von ihm geführten hinteren Hälftedes Heeres retteten diese Unglücklichen vom Verderben. Endlich erreich-ten die Griechen eine Stelle, wo sich eine grosse Anzahl Dörfer und indenselben Lebensmittel und Vorräthe aller Art, auch Wein in Menge be-fand. In diese Dörfer vertheilt, stärkten sie ihre Kräfte in einer sieben-tägigen Kühe und nahmen Führer an, welche sie in das Land der Cha-lyben führten. Bald stiessen sie auf der Höhe eines Berges, über welchenihr Weg sich hinzog, auf die in grosser Zahl versammelten und bewaff-
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1, 1. 16