240 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis 741m Tode Alexandev's d. Gr.
warten und nicht durch den Fluss zu gehen, bis er selbst hinein ginge;dann aber sollten sie sich rechts und links von ihm auch hineinwerfen,ihre Waffen bereit haltend, indem sie drohten, über den Fluss zu gehenund die Karduchen anzufallen, ohne indessen zu weit in den Fluss hineinzu gehen. Seinen eigenen Truppen befahl er, sobald die Karduchensich auf Schleuderwurfweite näherten, im Lauf sich auf sie zu stürzen,dann aber auf das Signal mit der Trompete sofort umzukehren und imschnellen Laufe zum Flusse zurückzukehren und durch die Furt ans an-dere Ufer zu gehen, so dass jede Enomotie geradeaus vor sich hin gingeund sie sich nicht unter einander mischten. »SchämtEuch nicht zu fliehen«,rief er ihnen dabei zu, »wer zuerst das andere Ufer erreicht, wird als derbeste Krieger erscheinen!«
Alle seine Anordnungen wurden ganz pünktlich ausgeführt und vomschönsten Erfolge gelohnt. Kaum flohen die Karduchen vor den Griechenihren Bergen zu und in dieselben, so wendeten sich die Griechen zurückund eilten noch schneller als jene dem Flusse zu und durch die Furt, sodass, als die Karduchen ihre Täuschung einsahen und ein Theil sichwieder zum Flusse wandte, alle Truppen des Xenophon schon das andereUfer erreicht hatten.
Auf diese Weise kamen, Dank den geschickten Anordnungen Xeno-phon's, die Griechen glücklich durch den Kentrites und mit ihrem Ueber-gange über diesen Fluss endete der beschwerlichste und wichtigste Theilihres Rückzugs und begann der andere, weniger mühselige, wenn auchnicht weniger denkwürdige und interessante Marsch vom Kentrites zuder Südküste.des Pontus Euxinus.
§.64.Zug vom Kentrites nach Trapezunt.Gleich nach dem Durchgang der Xenophontischen Krieger durch denKentrites rückte das gesammte griechische Heer in Schlachtordnung innördlicher Richtung durch die weiten Ebenen Westarmeniens, blieb abersechs ganze Marschtage hindurch vollkommen ungestört und in Frieden.Denn des Orontas und Artuchas Truppen folgten ihm nicht, da sie fürch-teten, dasselbe vor sich und die Karduchen hinter sich zuhaben; und dieGriechen kamen in forcirten Märschen immer weiter von den Persern abund waren schon weit voraus. Nach Ueberschreitung der Seitenhängedes Taurusgebirges gelangten sie an einen grossen Strom, den XenophonTeleboas*) nennt. Hier stiessen sie auf Tiribazus, den persischen Statt-halter über das westliche Armenien, mit einiger Reiterei. Auf seinen
Früher Arsanias, Orniras etc. genannt; nach Kitter der heutige Aksu.
Anmerk d. Uebers.