9. Der Aufstand des jungem Oyrus und der Rückzug der 10,000 Griechen. 239
am anderen Ufer dieser Bewegung in gleicher Höhe. An der Furt ange-kommen formirte Chirisophus den an der Tete niarschirenden grösserenTheil des Heeres in Lochen mit Intervallen und rückte in denFluss, die Lochen zur Rechten und Linken alle in gleicher Höhe.')Hinter dieser vorderen Hälfte des Heeres folgten die Sklaven und dieSaumthiere mit der Bagage. Xenophon aber stürzte mit den behendes-ten der Leute, welche an der Queue marschirten, in raschem Laufe zu-rück am linken Kentritesufer zu der Stelle, welche dem Wege nach Ar-menien gegenüber lag, gleich als beabsichtigte er dort über den Fluss zugehen und der feindlichen Reiterei in den Rücken zu fallen, welche amlinken Ufer stromauf gegangen war. Als diese Reiterei sah, dass diePfeile und Steine ihrer Schützen und Schleuderer des Chirisophus Trup-pen nicht erreichten, und 'dass Chirisophus also ungehindert den Flussüberscbreiten konnte, dass Xenophon aber sie von dem Wege nach Ar-menien abzuschneiden drohte, flohen sie eiligst zu diesem Wege bin undauf demselben weiter, verfolgt von den griechischen Reitern und Psiloi.Chirisophus selbst ging mit den Hopliten direct auf das feindliche Fuss-volklos, das noch auf den Anhöhen stand. Dieses erwartete aber denAngriff nicht, sondern floh gleichfalls von den den Fluss beherrschendenAnhöhen fort, welche nun von Chirisophus besetzt wurden.
Nun kehrte Xenophon eilends zur Furt zurück, durch welche nochdie Sklaven und Lastthiere gingen und zu der die Karduchen schon vonden Bergen herabkamen. Um den Uebergang des Gepäcks zu schützenund die Karduchen zurückzuwerfen, stellte Xenophon seine Lochen mitdem Rücken gegen den Fluss und der Front gegen die Karduchen inE n o m o t i e n **) auf, indem er sie nach der linken Flanke zusammen-drängte. Die Karduchen, welche sahen, dass alle Bagage über den Flussging und dass auf dem rechten Ufer nur eine kleine Anzahl Krieger zu-rückgeblieben war, scheinbar ohne alle Unterstützung von der Haupt-macht her, rückten gegen ihn an. Chirisophus schicktei ndessen sogleichalle Psiloi, Schleuderer und Bogenschützen ihm zu Hülfe. Nun traf Xeno-phon folgende sehr beachtenswerthe Anordnungen : Den Psiloi, Schleude-rern und Schützen des Chirisophus befahl er am jenseitigen Ufer zu
*) Xenophon's Anabasis, viertes Buch jj. 14. Da zu dieser Zeit die Hegemonieüber Griechenland in Spartas Hand lag, so waren auch die Hauptführer des Heeresdes Cyrus, erst Klearchus. dann Chirisophus — Spartaner, und so ist es unzweifel-haft, dass in diesem Heere die taktische Eintheilung und Formation der Spartanereingeführt war, dass also der Lochos, wie bei den Spartanern, im Sinne einer Unter-abtheüung der Phalanx zu verstehen ist, und nicht im Sinuc einer Rotte, wie sonstallgemein bei den Griechen (s viertes Kapitel, III, §. 26;. Sonst hätte diese Auf-stellung in Lochen keinen Sinn gehabt.**i S. viertes Kapitel, §. 26.