238 II. Vom Anfang der °'riech.-pers. Kriege bis zum Torte Alexanders rt. ßr.
bewaffnet, und vorzügliche Schützen, versperrten in den Engen und an denHängen bald der vorderen, bald der hinteren Hälfte de» griechischenHeeres den Weg. oder griffen sie von hinten an. Hier verdient das Verhaltensowohl des Chirisophus, als des Xenophon besondere Erwähnung. Wenndie Karduchen die Tete des Heeres aufhielten, so eilte Xenophon mitauserlesenen Kriegern sofort auf die Berge und nöthigte durch Besetzungvon dominirenden Punkten über den Karduchen diese zum Abzüge undzur Freimachung des Weges. Den gleichen Dienst leistete Chirisophusdem Xenophon, wenn die Karduchen der hinteren Hälfte des Heeres inden Weg traten . oder sie von hinten angriffen. In dieser Weise halfensie sich gegenseitig und scheuten die grössten Anstrengungen nicht, umdie von ihnen befehligten Heerestheile wechselseitig zu unterstützen.Es ist hierbei noch zu erwähnen, dass die kretischen Bogenschützen hierin den Bergen den Griechen von grossem Nutzen waren.
Fünf Tage marschirten die Griechen in dieser Weise durch das kar-duchische Gebirge. Und obgleich sie fast überall in Dörfern lagerten unddort ausreichende Vorräthe fanden. so litten sie dennoch von der Kälteim Gebirge, den herbstlichen Begengüssen, den sicher und weit treffen-den Pfeilen der Karduchen, den fortwährenden Kämpfen mit diesemBergvolke, und von dem übermässig anstrengenden Marsche bergaufbergab, nach Xenophon's Worten, in den sieben Tagen des Marschesdurch das karduchische Gebirge mehr Ungemach, als die ganze Machtdes Artaxerxes, die ganze Tücke des Tissaphernes ihnen hätte zufügenkönnen.
Am Ende des siebenten Tages langten sie endlich am Kentrites an,und was erblicken sie? Zahlreiche feindliche Reiterei und Fussvolk,welche am jenseitigen Ufer ihnen den Uebergaug über den Kentrites undden Weg nach Armenien verwehren! Es waren dies die armenischen,maklonischen und chaldäischen Miethstruppen der persischen GrossenOrontas und Artuchas. Die Reiterei stand den Griechen gegenüber, dasFussvolk etwas oberhalb, beide zur Seite des einzigen Weges, der vomKentrites nach Armenien führte. Die Griechen wollten sofort den Ken-trites diesem Wege gegenüber durchwaten, fanden hier aber den Flusszu tief und zu reissend. Während dessen erschienen auf den Bergen imRücken der Griechen bewaffnete Karduchen in grosser Zahl, und dieGriechen befanden sich nun, vor sich den unpassirbaren Kentrites , jen-seits ein feindliches Heer und hinter sich die Karduchen, in einer äusserstschwierigen Lage. Zum Glück für sie entdeckten zwei griechischeKrieger zufällig im Kentrites 4 Stadien ( 3 / 4 Werst = ca. 1 000 Schritt) strom-auf eine zum Uebergang geeignete und vom Feinde nicht besetzte Furt.Dorthin zog am Tage nach dem Eintreffen am Kentrites das griechischeHeer in seiner gewöhnlichen Ordnung. Die feindliche Reiterei folgte