236 II. Vom Anfang der grieeh.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
gegen die feindlichen Geschosse, und so ward der dritte Berg durch dieGriechen ohne jeglichen Verlust erstiegen.
Am 10'. Marschtage, dem 15. Tage des Zuges, stiegen die Griechenvon den Bergen in die Ebene hinab. Von Tissaphernes eingeholt,waren sie genöthigt, sich in dem ersten von ihnen angetroffenen Dorfefestzusetzen , um nicht länger während des Marsches kämpfen zu müs-sen, denn sie hatten viele Verwundete. Im Dorfe war für die Griechenviel vortheilhafter zu kämpfen, als während des Marsches, weil sieleichter und mit grossem Erfolge in dem von allen Seiten geschlossenenDorfe sich der feindlichen Angriffe zu erwehren vermochten.
Am 13. Marschtage, dem 18. Tage des Zuges, hatten die Perserauf dem Wege der Griechen vor denselben den Gipfel eines Berges be-setzt, welcher den einzigen ins Thal hinabführenden Weg beherrschte.Da schlug Xenophon vor und erbot sich selber, mit einem Theil desHeeres einen anderen Berg zu besetzen, der mit dem vom Feinde be-setzten zusammenhing und ihn dominirte , wodurch der Feind zum Ab-zug genöthigt würde. In raschem Laufe erreichte er mit 300 auser-lesenen Hopliten und Psiloi aus der vordersten Phalanx vor den Perserndiesen höheren Berg, worauf die Perser den niedrigeren sofort räumten,den Weg frei gaben und nach den Seiten entflohen.
An demselben Tage versuchten die Perser, die Dörfer in Brand zustecken, in welchen die Griechen lagen und die an Lebensmitteln reichenVorrath hatten. Um diese letzteren zu retten, schlug Xenophon vor, dieDörfer vor den Persern zu schützen und ihnen Hülfe zu gewähren, wasdenn auch ausgeführt wurde.
Jetzt waren die Griechen auch an den Ort gekommen, wo Tissa-phernes sie zur Niederlegung der Waffen zu zwingen hoffte, nämlich da-hin, wo das karduchische Gebirge zum Tigris abfällt. Da es gleich un-möglich war, am linken Flussufer zwischen diesem und dem Gebirgefortzukommen, wie denFluss zu überschreiten, —denn dieser war tief undhatte an dieser Stelle eine starke Strömung, und das jenseitige Ufer warvon zahlreicher feindlicher Reiterei besetzt, — so zogen die griechischenAnführer von den Gefangenen genaue Nachrichten ein über die Gegen-den und Wege , welche nach Osten , Süden, Westen und Norden lagen,und beschlossen, sich mit bewaffneter Hand einen Weg durch die kar-duchischen Berge in das fruchtbare und reiche Armenien zu erzwingen.Die gewöhnliche Entfernung der Perser zur Nacht benutzend, zog dasHeer bis zum Tagesanbruch gegen das Gebirge hin, langte beim Früh-roth am Fusse desselben an und begann ohne Störung und Widerstandes zu ersteigen. Chirisophus marschirte mit seiner Phalanx und allenPsiloi an der Tete, Xenophon nur mit Hopliten an der Queue.
Als Tissäphernes am Morgen gegen das Gebirge aufbrach, fand er