Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
235
Einzelbild herunterladen
 

9. Der Aufstand des Jüngern Cyrus und der Rückzug der 10,<K)0 Griechen 2g5

sen Mängel ihrer Formation in Vicrccksform beim Passiren durch jede ArtEngpass', wenn der Feind scharf nachdrängte, erkannt. »Denn«, sagtXenophon, »wenn schmale Wege, Engpässe oder Brücken die Flügeldes Vierecks nöthigten, zusammenzurücken, so wurden die Hoplitennothwendig herausgedrängt, und ihr Zug ward äusserst beschwerlich,da sie beständig angegriffen und in Unordnung gebracht und so zumDienst unbrauchbar wurden. Wenn nun die Flügel sich wieder ausdehn-ten, so wurden die Herausgedrängten nothwendig getrennt. und es ent-stand zwischen den Flügeln eine Lücke ; Diejenigen aller, welche es traf,mussten , da sie dem Angriff der Feinde ausgesetzt wurden, den Muthverlieren.« Um dies zu vermeiden, formirten auf Xenophon's Vorschlagdie Anführer sechs Lochen *), jede unter dem Befehl eines Hauptmannsund einer gewissen Anzahl von Unterführern. Beim Zuge durch einenEngpass machten die Lochen Halt, deckten die durchziehenden Truppenund folgten dann an den Seiten in gleicher Höhe mit ihnen. Wenn dieSeitcuphalangen nach solchem Durchzuge dann wieder aus einander zo-gen, rückten die Lochen in grösseren oder kleineren Abtheilungen in dieZwischenräume, welche in der Mitte entstanden, um die Front stets inungebrochener, zusammenhängender Linie herzustellen. 80 passirte dasHeer die Engpässe in vollkommenster Ordnung. Die Lochen niarschir-ten in Abteilungen. und sobald das Heer sich in Schlachtordnung for-miren musste, nahm eine jede schnell ihren Platz ein.

Diese Vervollkommnung, aus den Umständen und der Notwendig-keit hervorgegangen, war deshalb so wichtig, weil sie der Phalanx der10,000 Griechen eine bis dahin ungeahnte Beweglichkeit gab, und sieerwies sich beim Zuge durch das karduchischc Gebirge, wie später beidem über den Kentrites als höchst erspriesslicli.

Vier Tage später ward Xenophon durch die Noth zu einer anderennicht minder nützlichen Massregel veranlasst. Am neunten Marschtagevom Zabatus ab, dem elften Tage des Zuges begannen die Griechen, sichbereits dem karduchischen Gebirge zu nähern, und die Perser suchten sieausser der Verfolgung von hinten auch an den .Seiten zu umfassen und denWeg zu versperren. Nachdem die Griechen zwei Berge ohne Vorsichts-massregeln, aber deshalb nicht auch ohne Widerstand von Seiten derPerser oder ohne Verlust auf Seiten der Griechen überschritten hatten,besetzte Xenophon vor Ueberschreitung des dritten Berges die Kuppedesselben mit Psiloi. Das Hauptheer bildete gleichsam das Soutien die-ser Letzteren, und der Feind, von den Psiloi aufgehalten, wagte nichtseine Kräfte zu theilen. Die Psiloi (leckten ihrerseits das llaupthcer

*) Compagnien a loo Mann. (Das erste Vorkommen einer Art (Jompagniecolon-nen-Taktik.) Anmerk. d. Uebers.