9. Der Aufstand des Jüngern Cyrus und der ßückzug der 10,000 Griechen. 233
Flanke. Chiri8Qph.ua befehligte die vorderste, die beiden nächst ältestenFührer die an den Seiten, die beiden jüngsten Timasion und Xenophon,die letzte. Das leichte Fussvolk, die Sklaven, einige Gefangene, dieWeiber und Kinder, und das Lastvieh gingen in der Mitte.
Schon am ersten Marschtage wurden die Griechen von Tissaphernesmit seinem ganzen Heere verfolgt, und bis zu dem karduchischen Ge-birge, 14 Tagemärsche, im Ganzen 19 Tage lang waren sie gezwungen,fast unter beständigem Kampfe mit den Persern zurückzugehen. DieserTheil des Rückzugs der Griechen ist 'in vieler Hinsicht äusserst interes-sant und verdient eine nähere Betrachtung namentlich in folgender Be-ziehung :
Hier waren die Griechen jeden Tag, bei jedem Schritte und jederGelegenheit durch die Umstände selbst jgezwungen, allmälig die eineoder die andere Vervollkommnung vorzunehmen; an ihrer Bewaffnung,Formation, Marschordnung, Kampfweise, Sicherheitsdienst, Vertheidi-gungsart etc. Und alle diese Verbesserungen, die nicht blos in Be-zug auf das Heer des Cyrus"], sondern für die gesammte griechischeTaktik von Wichtigkeit waren, gingen fast ausschliesslich von Xenophonaus. Er überragte an Begabung und Kenntnissen seine Mitfeldherrenso sehr, hatte auf sie und auf das Heer solchen Einfluss und gab stetsso weise und heilsame Rathschläge und solch persönliches Beispiel vonMuth, Selbstverleugnung und Tapferkeit, dass er gleich von seiner Er-nennung an und während der ganzen Dauer des Zuges die eigentlicheSeele und der wirkliche oberste Führer des Heeres war, der alle seineHandlungen anordnete und dem alle Erfolge zu verdanken waren, wäh-rend Chirisophus nur dem Namen nach als oberster Führer galt.
Schon von den ersten Tagen und Märschen an empfanden dieGriechen in vollstem Maasse die Nachtheile, welche der Mangel-an Ca-vallerie und an solcher leichten Infanterie für sie hatte, die mit Erfolghätte den persischen Schützen und Schleuderern gegenüber gestellt wer-den können. Die Perser besassen eine zahlreiche und vorzügliche Rei-terei und leichte Infanterie, deren Hauptthätigkeit im Schiessen mit Pfei-len und Schleudern von Steinen bestand, und zwar auf bedeutend weitereEntfernungen, als die, aufweiche die griechischen Psiloi, welche ausser-dem ganz ohne Schutzwaffen waren, mit ihren Bogen und Schleuderntrafen. In Folge dessen erlitten die Griechen Verluste, ohne im Stande zusein . den Persern solche zuzufügen , oder halten zu bleiben, oder zurück
*) Unter dieser Bezeichnung waren die griechischen Söldner des Cyrus bei ihrenZeitgenossen bekannt, in Griechenland, wie bei dem grössten Theil der alten Schrift-steller, wie überhaupt im Alterthum. In neuerer Zeit ist die Bezeichnung «die10,000 G r i e c h e n« die üblichste: