9. Der Aufstand des jungem Cyrus und der Eückzug der 10,000 Griechen. 229
stehen, um nicht umfasst und umzingelt-zu werden. Die feindlichen Trup-pen stellten sich mit der Front gegen die Griechen, wagten aher nichtsie anzugreifen, sondern verharrten in Unthätigkeit. Als die Griechendies sahen, rückten sie kühn und entschlossen vor, — und das Heer desArtaxerxes wandte sich zur Flucht, ohne ihren Angriff abzuwarten.
§.62.Rückzug der 10,000 Griechen (401—400). — Rückzug bis zum Fluss
Zabatus.Trotz ihrer Ueberlegenheit über die Perser und trotz des über sie er-rungenen Sieges schienen die Griechen nach Cyrus' Tode dem gänzlichenUntergange geweiht. Diese Handvoll Männer, von Griechenland mittennach Asien hineingeschleudert, umringt von zahlreichen und tückischenFeinden, auf ihre eignen Kräfte und Hülfsmittel angewiesen, musste ent-weder die Waffen niederlegen oder einen ausserordentlich langen, müh-seligen und gefährlichen Rückzug nach Griechenland antreten, unglaub-liche Hindernisse von Seiten der Natur und der Bewohner überwinden,bei jedem Schritte kämpfen, unaufhörlich alles zu ihrer Existenz Not-wendige entbehren und vielleicht endlich doch in Folge der Mühen undder feindlichen Waffen und an Hunger untergehen. Die Griechen aberzogen die Mühen und Gefahren des Rückzugs einer schimpflichen undruhmlosen Uebergabe vor, verwarfen die Forderung des Artaxerxes, dasssie die Waffen strecken sollten, und beschlossen dann, mit den Truppendes Ariäus unverweilt nach Kleinasien abzuziehen. Und so gross wardie Furcht, die sie den Persern eingeflösst hatten, dass Artaxerxes nichtwagte, sie mit Gewalt anzugreifen, sondern seine Zuflucht zur List nahm.Tissaphernes erbot sich, die Griechen lebendig gefangen zu nehmen undsie zu zwingen, in des Artaxerxes Dienste zu treten. Zu dem Zwecke,wollte er sie : 1) auf das linke Ufer des Tigris locken, 2) sie ihrer ober-sten Führer berauben, indem er diese letzteren durch List gefangen nahm,und endlich 3) sie gegen die karduchischen Gebirge auf dem linkenTigrisufer drängen und sie dort, wo sie weder durch den Tigris, nochüber die Berge zu gelangen im Stande waren, zur unbedingten Uebergabezwingen. Er war fest überzeugt, dass das griechische Heer, seiner Führerberaubt, in Unordnung gerathen und den Muth werde sinken lassen, sodass es dann schon halb besiegt sei. Das Terrain auf dem linken Tigris-ufer, das er zur Erreichung seines Zweckes ausnutzen wollte, hatte fol-gende Form: Von der Stelle an, wo der Tigris sich dem Euphrat ammeisten nähert, am linken Tigrisufer aufwärts bis auf ungefähr 70 geo-graphische Meilen Entfernung (490 Werst) war das Gelände grössten-teils eben und offen. Aber weiter nördlich floss der Tigris zwischenhohen unzugänglichen Gebirgen durch, auf dem rechten Ufer die masi-