228 II- Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
feindlichen linken Flügel zu kämpfen unter steter Anlehnung seiner rech-ten Flanke an den Euphrat. Als darauf das Heer des Artaxerxes sichdein desCyrus näherte, rückten die griechischen Hopliten in gemessenem,allmälig schneller werdendem Schritte in Phalanx formirt vor. BeimAnblicke des gleichmässigen Anmarsches dieser festgeschlossenen furcht-haren Massen, welche ihre ungeheuren Lanzen eingelegt hatten, ergriffSchrecken die Truppen des linken Flügels des Artaxerxes, und ohne denAngriff zu erwarten, wandten sich alle, die Reiterei des Tissaphernesausgenommen, eiligst zur Flucht. Auch die Rosselenker von den Streit-wagen flohen; von ihnen verlassen, wurden diese Streitwagen von denPferden fortgerissen, die einen den Griechen entgegen, denen sie abergar keinen Schaden thaten, weil diese ihre Reihen öffneten und sie durch-liessen, — die andern zurück auf die eignen Truppen, so dass sie derenUnordnung noch vermehrten und ihnen grosse Verluste zufügten. DieGriechen, welche uicht einen Mann verloren hatten, verfolgten die Fliehen-den. Tissaphernes, von Artaxerxes-abgeschnitten, beschloss, mit seinerReiterei die Psiloi zwischen den Hopliten und dem Euphrat zu durch-brechen und sich mit Artaxerxes wieder zu vereinigen. Es gelang ihm,aber unter grossen Verlusten, denn die Psiloi wichen aus und Hessen dievorüberjagenden persischen Reiter durch, während sie dieselben mit einemHagel von Geschossen überschütteten.
Inzwischen begann das Centrum und der rechte Flügel des Arta-xerxes den linken Flügel des Cyrus zu umfassen. Cyrus bemerkte esund stürzte mit den ihn umgebenden Reitern gerade auf Artaxerxes los,warf und zersprengte die vor diesem stehende Schaar der 6000 Leib-wachen-Reiter und warf sich nun, in einem Momente wo fast alle zu ihmgehörenden Reiter in der Verfolgung der Flieheuden begriffen waren,persönlich mit nur wenigen bei ihm "Gebliebenen auf Artaxerxes, derebenfalls nur von wenigen seines Gefolges umgeben war, verwundete ihnmit der Lanze in der Brust, empfing aber gleich darauf selbst eine tödt-liche Wunde. Sein Tod war für Ariäus das Zeichen zur augenblicklichenFlucht mit allen asiatischen Truppen des Cyrus zu dem rückwärts ge-legenen Lager, von wo sie, ohne Stand zu halten, noch viel weiter flohen.Centrum und rechter Flügel des Artaxerxes verfolgten sie, plünderten ihrLager, überfielen auch das Lager der Griechen, wurden aber von derdarin befindlichen Wache zurückgeschlagen.
Auf diese Weise flohen die linken Flügel auf beiden Seiten, die rech-ten wurden in der Verfolgung fortgerissen und kamen fast bis auf 30Stadien (5 J /4 Werst = fast 3 / 4 Meile) aus einander, bald indessen kehrtensie zurück und zogen nun einander entgegen. Die Truppen des Artaxerxeswichen aber, als sie den Griechen näher kamen, nach links aus, so dassdie Griechen genöthigt waren, mit dem Rücken nach dem Euphrat zu