230 II- Vom Anfang der griech..-purs Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.
sehen , auf dem linken die gordyäischen oder karduchischen. Dieseletzteren Messen so nach ihren Bewohnern, dem wilden, unabhängigen,kriegerischen und ausserordentlich tapfern Volk der Gordyaner oder Kar-duchen, welche mit den Persern in stetem Kriege lebten. Das kar-duchische Gebirge erstreckte sieh vom Tigris 10 bis 15 geographische.Meilen östlich bis zum See Arsissa und erhob sich am Tigris in senk-rechten Felsen, so dass zwischen ihnen und dem Flusse nur ein schmalerFusspfad blieb: der Fluss selbst, auf beiden Seiten von den Bergen ein-geengt, hatte an dieser .Stelle eine bedeutende Tiefe und sehr starkeStrömung. In der Richtung den Tigris stromauf erstreckten sich die kav-duchiseben Gebirge 16 Meilen weit und wurden nördlich durch den FlussKentrites begrenzt, der in der Nähe des Arsissa-Sees entspringt, von Nord-ost nach Südwest Messt und von links in den Tigris mündet. Auf derrechten Seite des Kentrites bis zum Taurusgebirge dehnten sich die wei-ten Ebenen des reichen, handeltreibenden Armeniens aus. Und so wollteTissaphernes die Griechen an die karduchischen Gebirge zu der Stellehindrängen, wo sie zum Tigris abfielen.
Der Anfang des Planes des Tissaphernes gelang vollständig. Durchseine Vermittlung war zwischen Persern und Griechen ein Waffenstill-stand geschlossen und ein Vertrag beschworen. Kraft dieses Vertragesverpflichteten sich die Perser, in allen persischen Besitzungen sich fried-lich gegen die Griechen zu verhalten, sie nach Griechenland zu geleiten,auf dem ganzen Wege ihnen die Märkte behufs Ankauf von Lebensmittelnzu öffnen, und da. wo keine Märkte wären, selber Lebensmittel für dieGriechen zu beschaffen. Die Griechen ihrerseits hatten sich verpflichtet,auf ihrem Zuge sich gleichfalls friedlich zu verhalten, auf den MärktenAlles mit Geld zu bezahlen, und da, wo keine Märkte wären, die Lebens-mittel sich mit möglichster Ordnung und Schonung des Landes und derEinwohner zu beschaffen. Nach Abschluss des Vertrages erhielten dieGriechen wirklich Zutritt zu den benachbarten Märkten; aber sie musstenüber 20 Tage auf die Ankunft des Tissaphernes mit seinem Heere"warten, der ihnen das Geleit geben sollte. Während dessen wurde durch dasVersprechen, dass Artaxerxes dem Ariäus und dessen Truppen verzeihenwolle, dieser auf die Seite der Perser gelockt, und die Griechen waren so-mit vollkommen isolirt. Endlich erschien Tissaphernes mit seinem Heere,welches so zahlreich war, dass es eher zu feindlichen Unternehmungengegen die Griechen, als zu ihrer Begleitung bestimmt schien. Die Perserstellten den Griechen arglistig vor, dass, wenn sie auf demselben geradenWege über Thapsakus, den Cyrus sie geführt hatte, zurückkehrten, siesich der Gefahr aussetzten. Hungers zu sterben, dass aber, wenn sie amlinken Tigrisufer hinaufzögen, sie Vorräthe im Ueberfluss haben würden.Die Griechen glaubten dies, und wandten sich im Vertrauen auf den ge-