8. Der peloponnesische Krieg. 221
Seiten vom Meere und mit Inseln umgeben war, — 2) das bergige durch-schnittene Gelände, — 3 ; die politische Zerrissenheit Griechenlands ineine Menge einander feindlicher Völker und Staaten, von denen jedesVolk seine eigenen, besonderen Sitten und Gebräuche hatte, jeder Staatseine besondern Organisationen und Einrichtungen besass, — 4) die Ver-schiedenartigkeit. Zusammensetzung und Verwicklung aller der wech-selseitigen politischen Beziehungen derselben unter einander, —• 5) derKampf der politischen Parteien, namentlich der beiden Hauptparteien,der demokratischen und der aristokratischen, — 6) die Mängel und Un-regelmässigkeiten der Volksregierung, — 7j die persönliche Begabungund Geschicklichkeit, die Ansichten und Beweggründe der Häupter derRegierung und der Feldherren, sowie derer, welche die höchste Gewaltbesassen und im Kriege befehligten. — 8) die militärische Organisationder griechischen Staaten, und die Zusammensetzung, Formation undselbst die Kampfart der griechischen Truppen, — 9) verschiedene be-sondere Umstände. — und endlich 10) die aus dem Allen resultirendeVerschiedenheit der Kräfte, Mittel, Anschauungen und Beweggründe.
Oie natürlichen Folgen des Einflusses aller dieser verschiedenartigenUrsachen und Verhältnisse auf die Führung und den Charakter des Krie-ges waren im Allgemeinen die folgenden:
Auf keiner der beiden kriegführenden Seiten konnte unter vollerEntfaltung aller ihrer Kräfte und in entscheidender Weise vorgegangenund die kürzeste Erreichung des politischen Hauptzweckes erstrebt wer-den , der für Athen in der Besiegung Spartas und des peloponnesischenBundes, für Sparta darin bestand, dies zu verhindern und Athen niederzu-werfen. Die Notwendigkeit zwang vielmehr beide Theile, diesen Zweckdurch fortwährende Schwächung des Gegners und zugleich thunlichst da-durch zu erreichen, dass dem Gegner mit allen möglichen Mitteln, poli-tischen wie kriegerischen, der grösstmögliche Schaden zugefügt wurde.Zu den politischen Mitteln gehörte: 1, dass man dem Gegner seine Ver-bündeten entriss und sie auf die eigene Seite herüber zu ziehen suchte,— 2; dass man seine eignen Anhänger und die Feinde des Gegners ver-mehrte , und — 3 1 die Unterstützung und Aufmunterung — der demo-kratischen Partei durch die Athener, — der aristokratischen durch dieSpartaher. Zu den kriegerischen Mitteln war zu rechnen : 1) der Angriffauf die Verbündeten der andern Seite, — 2) der Einfall in des Gegnerseignes Gebiet. Es ist hieraus ersichtlich, welchen aussergewöhnlichen,unaufhörlichen und verschiedenartigen Einfluss die Politik auf den Kriegund die kriegerischen Actionen haben musste, und welche ausserordent-liche Zersplitterung der Kräfte und der Thätigkeit, welcher Mangel anEinheit, Zusammenhang und Consequenz dieser letzteren daraus ent-stehen musste. Und in derThat, mit jedem Erfolge oder Misserfolge.