2'2l) It Vom Anfang der griech.-iiers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gr.
tigkeiten zerwühlt, verharrten die Athener dennoch standhaft in demEntschluss, sich nicht m ergehen, und machten die erdenklichsten An-strengungen zur Verteidigung Athens und zur Verzögerung ihres- end-lichen Unterganges, da sie wohl wussten, welches Loos ihrer wartete.Aber Hunger und Krankheiten erzeugten eine solche Sterblichkeit unterihnen, verminderten ihre Zahl derartig und brachten sie in solche äussersteNoth. dass sie endlich gezwungen waren. Unterhandlungen wegen der
I Übergabe anzuknüpfen. Die Spartaner zogen dieselben absichtlich indie Länge und nöthigten die Athener dadurch, — da deren Noth aufsHöchste stieg, in die ihnen von Sparta vorgeschriebenen harten und de-müthigenden Bedingungen einzuwilligen. Ende April 404 ward der Vertragabgeschlossen, kraft dessen : I der athenischen Republik ihre politischeExistenz erhalten, den Athenern ihre bürgerliche Freiheit gewahrt blieb,die Letzteren aber verpflichtet wurden 2) nicht mehr als 12 Dreiruderer zuhalten, 3) die langen Mauern zu zerstören, welche Athen mit demPiräeus verbanden, und die Befestigungen des Piräeus abzutragen, —
II allen Verbannten und Ausgewanderten ihre bürgerlichen Rechte wiederzu verleihen. 5) mit Sparta nur dieselben Freunde und Feinde zu haben,und 61 Heer und Flotte nur auf Willen und Befehl Spartas zu verwenden.Anfang Mai 104 besetzte Agis die Mauern von Athen, Lysander die desPiräeus. die Befestigungen wurden zerstört, und die oberste Gewalt inAthen an 30 Oligarchen übertragen. Agis kehrte mit dem Heere zumPeloponnes zurück, Lysander ging mit der Flotte nach Samos und zwangdessen Einwohner bald sich zu unterwerfen.
So endete der 27 Jahre währende peloponnesische Krieg in Folgeder totalen Erschöpfung Athens an Kräften und Mitteln, der Unordnungenund der Zügellosigkeit seiner Demokratie, der persönlichen Begabunguud der Geschicklichkeit Lysander's, und der Geldunterstützungen,welche die Perser an Sparta zahlten.
§.60.
Allgemeine Betrachtungen über den peloponnesisehen Krieg.
Der peloponnesische Krieg. so wichtig durch seine politischenZwecke und Resultate, verdient besondere Beachtung in militärischerBeziehung als das vollkommenste Beispiel der inneren Bürgerkriege derGriechen. In ihm schmelzen, so zu sagen, alle einzelnen Züge zu einemgrossen Bilde zusammen, das in vollendeter Weise die ganze griechischeKriegskunst und Kriegführung darstellt.
Um den Charakter desselben ganz zu verstehen, muss man alle diemannichfachen Gründe und Umstände in Betracht ziehen, welche aufseinen Verlauf von Einfluss waren. Hierher gehören also: L Die geo-graphische Lage Griechenlands, das bei kleinem Umfange, von drei