222 IT. Vom Anfang der griecli-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. Gv.
mit jedem Wechsel des Regierungspersonals, mit jeder Laune, jedemTriumph der einen oder andern Partei wechselten auch die Beweggründeund Ansichten und Entwürfe für die Action. Der Krieg, welcher sichnicht allein über ganz Griechenland und die umschliessenden Meere undInseln, sondern auch über die Colouien desselben. selbst in den entfern-testen Gegenden und Meeren, erstreckte, zersplitterte sich in eine unend-liche Menge kleiner. abgesonderter. vereinzelter kriegerischer Actionenzu Lande und zur See. Diese Actionen bestanden fast ausschliesslich ausAngriffsunternehmungen 'Expeditionen), welche den Charakter von Ein-fällen trugen. Jede derselben bezweckte, nicht die kürzeste Erreichungdes politischen Hauptzweckes des Krieges, sondern notwendigerweisedie irgend eines vereinzelten Nebenzwecks , Zufügung eines theilweisenSchadens au den Gegner, oder Erreichung irgend welcher vereinzelterVortheile. Bisweilen hatten sie auch den Zweck, die Aufmerksamkeitund Kräfte des Gegners zu zerstreuen. oder dieselben von einem Punkteab und auf einen andern zu lenken. Die kriegerische Thätigkeit hatte in -der ersten Hälfte des Krieges vorzugsweise — von Seiten Spartas unddes peloponnesischen Bundes das Festland, — von Seiten Athens dasMeer zum Schauplatz, — in der zweiten Hälfte des Krieges von beidenSeiten das Meer, auf dem auch der ganze Krieg überhaupt entschiedenwurde. Es waren in diesem Kriege die Actionen zu Lande und zur Seestets in engein Zusammenhange unter einander. Ein hervorragender Zugin den einzelnen kriegerischen Unternehmungen waren die Actionen deskleinen Krieges mit kleinen Armeen oder Abtheilungen. Deshalb kamenGefechte, Treffen, vereinzelte Kämpfe ziemlich häufig vor , aber wenigegrosse Schlachten (nur sechs im Ganzen), und von diesen war, ausser derbei Aegos-Potami, keine einzige wirklich entscheidend. Dagegen sehenwir ziemlich viele EinSchliessungen oder Belagerungen von Städten. da-runter einige sehr lange währende.
Auf diese Art kann man den peloponnesischen Krieg wesentlich alseinen klein enKrieg auffassen, der in grossem Maassstabe auf einemmehr oder minder weiten Umkreise und mit mehr oder weniger grossar-tigen Mitteln geführt wurde, und in welchem die Politik den mächtig-sten Einfluss auf den Gang der kriegerischen Handlungen und Ereignisseausübte. Das war übrigens mehr oder weniger der Charakter aller inne-ren Bürgerkriege in Griechenland.
Zu der Charakteristik des peloponnesischen Krieges muss noch hin-zugefügt werden. dass derselbe, wegen der ausserordentlichen gegen-seitigen politischen Verbissenheit der Griechen während seiner Dauer,mit grösserer Grausamkeit bezüglich des Landes und der Einwohner, derBesiegten und Gefangenen geführt wurde, als es sonst bei den Bürger-kriegen der Griechen geschah. Besondere Beachtung verdient in diesem