212 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
die Rückkehr nach Athen. Aber als sich das Heer schon zur Einschiffungauf die Flotte rüstete, trat eine Mondfinsterniss ein, welche die aber-gläubischen Athener so in Schrecken setzte und ihnen als eine so übleVorbedeutung erschien, dass das Auslaufen auf 27 Tage später (dreimal 9 Tage, nach der Erklärung der Wahrsager, bis zum folgendenVollmond verschoben wurde. Als die Syrakusaner dies erfuhren, beschlos-sen sie die Athener einzuschliessen, anzugreifen und womöglich zu ver-nichten, und zwar zu Lande und zur See. Bald waren die Athener zumersten Mal von einem schwächeren Feinde geschlagen (8(5athenische gegen 76 syrakusische Dreiruderer, im grossen Hafen . Zuden Schrecken ihrer Lage gesellte sich der Hunger, denn alle Zufuhr warabgeschnitten. Es wurde also trotz des früher festgesetzten Termins be-schlossen, sofort durchzubrechen und nach Griechenland zu segeln; aberdie athenische Flotte ward neuerdings durch die syrakusische geschlagenund ans Ufer geworfen. Wieder wollten Nicias und Uemosthenes Nachtsdurchbrechen, aber das Heer hatte so sehr allen Muth verloren, dass esnicht anders als zu Lande von Syrakus abziehen zu wollen erklärte.Demgemäss wurde die Flotte verlassen und alsbald von den Syrakusauernweggenommen und theilweise verbrannt. Die Athener, die nun am Landesich zusammenzogen, wurden auf allen Seiten von Reiterei und leichterInfanterie der Syrakusaner umschwärmt. Endlich (Anfang September)wurde der Rückzug angetreten, dessen Beschreibung Thucydides in sodüsteren Farben giebt, dass die Theilnahme mit der jammervollen Lage,dem schweren Schicksal und den unerinesslichen Leiden der Atheneraufs Aeusserste erregt wird. Mit Ausnahme der Sklaven, welche fast alledavon liefen, waren es immer noch an 40,000 Athener. Der Rückzugging auf dem kürzesten Wege in westlicher Richtung über den Anapusnach dem Gebiet eines den Syrakusauern feindlichen Stammes. Vorausgingen des Mcias Truppen, in einigen hohlen Vierecken formirt, in derenMitte alle mitgeführte Bagage und die dürftigen Lebensinittelreste, — da-hinter die Truppen des Demosthenes, und endlich die Hopliten, welcheden Rückzug deckten. Nicias und Demosthenes zeigten inmitten der all-gemeinen Verzagtheit wahren Muth undSeelengrösse, indem sie das Heerermuthigten, Hoffnung und Vertrauen in die Barmherzigkeit der Götterzu erwecken und zu Klugheit und Standhaftigkeit zu ermahnen ■ be-müht waren. Der Marsch ging äusserst langsam vor sich, unter unauf-hörlichen Kämpfen mit der zahlreichen Reiterei und dem leichten Fuss-volk der Syrakusaner, welche die Athener von allen Seiten umkreisten. Dasie einen Gebirgspass an ihrem Wege, der von den Syrakusauern stark be-setzt und befestigt war, nicht zu forciren vermochten, so beschlossenNicias und Demosthenes, nicht auf dem ursprünglich eingeschlagenenWege weiter zu ziehen, auf dem sie von den Syrakusauern erwartet wur-