8. Der peloponnesische Krieg. 9) 3
den, sondern auf einem andern, der nach Kamarina, Gela und anderenStädten längs der Südküste Siciliens führte. Dieser Marsch ward zur Nacht-zeit angetreten; die in der hinteren Abtheilung entstehende UnordnungHess deren Abstand von der vorderen grösser werden, in Folge dessenverirrte sich Demosthenes vom Wege und wurde auf diese Weise gänzlicbvon Nicias getrennt. In dieser Lage umzingelten überlegene feindlicheSchaaren zuerst Demosthenes, nachher auch Nicias. Durch die ununter-brochenen Märsche und Kämpfe ermüdet, durch den ungeheuren Verlustgeschwächt, von Hunger und Durst gepeinigt, waren die Truppen desDemosthenes gezwungen, die Waffen niederzulegen, und die des Niciaswurden theils erschlagen, theils gefangen genommen. Grausam war dieRache der Syrakusaner an den Athenern. Sie Hessen Nicias und Demosthe-nes hinrichten, ungefähr 7000 gefangene athenische Bürger wurden in dieSteinbrüche eingesperrt, alle übrigen zu Sklaven gemacht oder verkauft.Dies war das klägliche Ende des Unternehmens der Athener gegenSicilien, welches, wie oben entwickelt worden, man mit vollem Rechte injeder Hinsicht und im ganzen Umfang ein unbedachtes nennen muss.Darum waren auch seine Folgen so verderblich für die athenische Re-publik. Es kostete dieser den Verlust einer Flotte und ungefähr 40,000Bürger, vernichtete ihre Herrschaft zur See, erschöpfte ihren reichenSchatz fast total und gab ihr einen harten Stoss, von dem sie sich trotzaller ihrer Anstrengungen nie mehr ganz zu erholen vermochte, und derihren gänzlichen Fall vorbereitete und beschleunigte.
§. 58.Die folgenden fünf Kriegsjahre (412—408).
Der Misserfolg der Athener in Sicilien konnte dem peloponnesischenBunde und Sparta um so mehr das Uebergewicht im Kriege verschaffen,da die Bundesgenossen Athens allmälig von diesem abzufallen und zumpeloponnesischen Bunde überzutreten begannen, und da Sparta zu dieserZeit schon ein offenes Bündniss mit den Persern geschlossen hatte, dasihm die Mittel zur ständigen Unterhaltung einer starken Flotte gewährteund die Gewinnung von neuen Bundesgenossen in Kleinasien, dem Hel-lespont, Thracien und auf den Inseln des ägäischen Meeres ermöglichte.Aber die spartanische Regierung zeigte in allen ihren Handlungen solcheLangsamkeit, Unentschlossenheit und Schwäche, solchen Mangel an Um-sicht und Klugheit, — im peloponnesischen Bunde herrschte so wenigEinheit und Uebereinstimmung —, die Athener dagegen entwickelten,aufgestachelt durch die drohende grosse Gefahr, so viel Muth, Staudhaf-tigkeit und Thätigkeit und dabei eine solche Einheit, Uebereinstimmungund Energie in ihren Handlungen, dass der Krieg bald sich wieder zuGunsten der Athener zu wenden begann. Im Winter 412 —411 brachten