210 II- Vom Anfang- der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
kus ergebenen Städten und Stämmen ungefähr 5000 Mann Fussvolk,Reiterei und freigelassene Sklaven zusammen und marschirte zu Landenach Syrakus. Inzwischen waren 12 peloponnesische Dreiruderer vonLeukadia längs der italischen Küste nach Syrakus herangekommen undein korinthisches direct auf der hohen See. Dieses letztere traf vor denübrigen ein, es gelang ihm aber, sich heimlich in einen der Häfen vonSyrakus hinein zu schleichen und die Nachricht von der nahenden Hülfezu überbringen. Hierdurch ermuthigt, brachen die Syrakusaner sofort dieUnterhandlungen mit Nicias ab. Den Truppen glückte es, Gylippus ent-gegen aus der Stadt zu rücken und sich mit ihm zu vereinigen. Gylippusbemächtigte sich des schwach besetzten Epipolä und einiger andererathenischer Verschanzungen, machte drei Ausfälle gegen die Athener,warf sie beim dritten Mal in Unordnung auf ihre befestigten Linien zurück,aus denen sie fortan nicht mehr herauszurücken wagten : endlich durch-brach er die Einschliessung von Syrakus auf der Landseite vollständig,während die herangekommenen peloponnesischen Dreiruderer die Ver-bindung derStadt mit der See herstellten. Alle diese Erfolge der Pelopon-nesier und Syrakusaner waren die Folge der Geschicklichkeit, Thätigkeitund Entschiedenheit des Gylippus und seiner Massregeln einerseits, unddes äusserst langsamen, unentschlossenen, ja schüchternen Verhaltensdes Nicias, sowie der ungemeinen Sorglosigkeit und Unachtsamkeit derAthener bei Einschliessung der Stadt. Nicias schrieb nach Athen umEnthebung von seinem Commando und um Verstärkungen. Die Athenerbewilligten aber die Erstere nicht, sondern ernannten ihm zwei Mit-Feld-herren, Eurymedon und Demosthenes, schickten Eurymedon im Winter414 auf 413 mit 10 Triremen und 20 Talenten Silber nach Sicilien undbeauftragten Demosthenes im Frühjahr 413 neue Truppen und Schiffeauszurüsten. Gylippus und die Syrakusaner baten dagegen in Sparta,Korinth und anderen Städten Siciliens und Italiens um Unterstützung.
Das erste wichtige Kriegsereigniss im Jahre 413 geschah in Griechen-land. Das war die, auf den Rath des Alcibiades durch die Spartanerstattfindende Besetzung von Decelea, im Herzen von Attika, in dessenfruchtbarstem und reichstem Theile, kaum 20—22 Werst von Athen. MitBeginn des Frühjahrs fiel ein peloponnesisches Heer unter Agis'-Führungin Attika ein, nahm Decelea weg und befestigte es. Hess eine Besatzungunter Agis' persönlichem Befehl darin zurück und kehrte dann nach demPeloponnes zurück, unterwegs noch Attika verwüstend. Von nun anhörte Agis nicht auf, Athen zu beunruhigen und seine Umgegend zu ver-heeren, und ausserdem — was ausserordentlich wichtig war — schnitter den Athenern die Zufuhr an Lebensmitteln aus der athenischenKornkammer, der Insel Euböa, auf dem Landwege ab (Decelea lagan diesem Wege: die Zufuhr zur See war bedeutend kostspieligerl. In