20S II. Vom Anfang der gi'iecli.-pers: Kriege bis zum Tode Alexander's d. (Jr.
Lamachus gleich Nachts einen grossen'Theil ihrer Truppen auf die Schiffe,landeten nahe bei Syrakus und besetzten einen starken und für die Ver-theidigung günstig gelegenen Ort. Die Syrakusaner kehrten sofort zurückund wagten sich mit den Athenern in einen Kampf einzulassen, wurdenaber geschlagen und nach Syrakus zurückgedrängt. Darnach kehrtenNicias und Lamachus für den Winter nach Katana zurück, versuchtenMessaua zu nehmen und mit den Etruskern in Italien und mit Karthagoeinen Bund zu schliesseii. aber vergeblich. Indessen zogen sie eine Mengeeinheimischer Stämme aus dem Innern Siciliens auf ihre Weite, beschaff-ten auf der Insel Pferde für ihre Cavallerie, an denen sie Mangel hatten,und trafen alle notwendigen Vorbereitungen für die Belagerung vonSyrakus. Die »Syrakusaner ihrerseits rüsteten sich zu einem hartnäckigenWiderstand, verstärkten die Befestigungen der Stadt, versorgten sich mitLebensmitteln und baten Korinth und Sparta um Unterstützung. Die spar-tanische Regierung beschloss auf Anrathen des Alcibiades, der dort schongrossen Einfluss erlangt hatte, den Frieden mit Athen zu brechen und denSyrakusanern Flotte und Heer zu Hülfe zu senden. Die zur Ausrüstung undBewaffnung einer starken Flotte erforderlichen Geldmittel, an denenSparta und der peloponnesische Bund Mangel litten, erhielten sie baldund zum ersten Mal von den Persern, mit denen sie zu diesem Zweckauf Anrathen und durch Vermittlung des Alcibiades einen heimlichenVertrag schlössen. Die Korinther versprachen den Syrakusanern gleich-falls Hülfe.
Im Frühjahr 414 brachen Nicias und Lamachus, nachdem sie ausAthen 250 Reiter ohne Pferde, 300 Talente Silber ungefähr 550;0<)0Silber-Rubel und alle Arten Kriegsvorräthe im Ueberfluss erhalten hat-ten, mit allen ihren Streitkräften zur See nach Syrakus auf.
Diese grosse und volkreiche Stadt (sie war ungefähr 108 Stadienoder 19 Werst im Umkreis gross mit 1,500,000 Einwohnern, bestand ansfünfTheilen: Ortygia oder die Insel, Achradina, Tycha, Nea-polis (Temenites) und Epipolis oder Epipolä. Am grösstenund bevölkertsten waren Achradina und Tycha. Epipolis war die west-liche Vorstadt, auf steilem unzugänglichem Felsen hoch oben, an welchemLatomiä oder tiefe Steinbrüche lagen, welche den Verbrechern zumHaftort dienten. Jeder Theil der Stadt war von dem andern durch Be-festigungen getrennt. Am stärksten befestigt war Achradina. Die ganzeStadt war mit hohen dicken Steinmauern und Thürmen umgeben undhatte die Form eines Dreiecks, dessen Grundlinie auf der Ostseite Achra-dina, längs des hohen steilen Meeresufers und die Insel Ortygia, bildeteund dessen Spitze nach Westen hin der Felsen Epipolä war. Südlichvon Ortygia, in dem geräumigen kreisförmigen Meerbusen von Syrakus,lag der grosse Hafen, und nördlich von Achradina der kleine oder