8. Der peloponnesisehe Krieg. 207
I wenn es gelänge, die Stadt zu nehmen, die übrigen sicilisclien vonSyrakus abhängigen Städte nicht zögern würden. der athenischen Herr-schaft zuzufallen. mit allen ihren Mitteln und Hülfsquellen. was dannden Krieg ohne Unterstützung von Athen her zu führen ermöglichenwürde: dass 2) wenn die Syrakusaner eine Schlacht im offenen Felde wagensollten. der kaum zweifelhafte Sieg über sie den Abschluss eines Bünd-nisses mit den sicilisclien Städten rascher zu Stande bringen würde, alsmehrere Jahre der Unterhandlung mit ihnen: und dass 3) wenn die Syra-kusaner ihnen ihre Grenzen ohne Widerstand offen stehen lassen würden,dass dann dies für weitere Unterhandlungen auch sehr günstig wäre.Des Lamachus Rath war unzweifelhaft dem Zweck und den Verhält-nissen am angemessensten . entscheidend und den richtigen Erfolg undgrosse Yortheile fast sicher verbürgend, denn die Syrakusaner hatten nochnicht die Verstärkungen von den Hülfstruppen def ihnen unterworfenenStädte erhalten und waren überhaupt wenig zum Widerstand vorbereitet.Aber die Meinung des Alcibiades, als des Hauptanstifters und der Seeledieses ganzen Unternehmens gegen Sicilien, trug den Sieg davon, und ertrat mit Messana, Naxos und Katana in Unterhandlungen ein. Die Be-wohner von Messana gestatteten den Athenern, sich auf dem messani-schen Gebiet mit Vorräthen zu versehen; mit den Bewohnern von Naxosund Katana Avurde ein Bündniss geschlossen, und die letztere Stadtwurde ausserdem von den Athenern besetzt und in einen Hauptkriegs-stapelplatz umgewandelt, ihr Hafen aber in den Haupthafen für die Flotte.Darauf wollte Alcibiades die angefangenen Unterhandlungen fortsetzen,als er plötzlich aus Athen den Befehl erhielt, unverweilt dort zu erschei-nen . um sich vor dem Volke wegen der Verstümmelung der Hermen(rohe Figuren des Hermes oder Mercur. welche bei den Griechen aufden Strassen zwischen den Gebäuden, gleichsam zu deren Schutz. auf-gestellt waren) zu rechtfertigen, welche vor der Abfahrt der Flotte nachSicilien geschehen war, und deren die Feinde des Alcibiades diesenselbst und seine Anhänger bezichtigten. Dies war aber nur ein Vor-wand, um Alcibiades zu verderben, dessen Feinden während seiner Ab-wesenheit es gelungen war, die unbedachtsainen und unbeständigenAthener gegen ihn aufzuwiegeln. Alcibiades gehorchte, als er aber dasitalische Ufer erreicht hatte, verbarg er sich zur Nacht und — tlohnach Sparta.
Allein, geblieben, beschlossen Nicias und Lamachus, sofort Egestazu befreien und dann sich mit allen Kräften gegen Selinus zuwenden.Die Langsamkeit und Unentschlossenheit des Nicias waren aber Schuld,dass dies nicht geschah. Inzwischen hatten sich die Syrakusaner aber soweit verstärkt und ermuthigt, dass sie selbst nach Katana zogen, um dasathenische Lager anzugreifen. Als sie dies erfuhren, setzten Nicias und