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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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176 II. Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.

Perser setzten ihre Umgehung in den Rücken der Thermopylen ungehin-dert fort. Die Griechen, welche noch in der Nacht von der Bewegungdes Hydarnes erfuhren, beschlossen in einem Kriegsrathe mit Stimmen-mehrheit, eiligst abzuziehen und in ihre Städte sich zu zerstreuen. Leo-nidas und seine 300 Spartiaten erklärten aber, dass sie die Gesetze ihresLandes nicht brechen wollten, welche untersagen, vor dem Feinde zufliehen, und dass sie nicht aus Thermopylä fortgehen würden. Die mitihnen gleichgesinntenThespier riefen, dass sie mit ihnen bleiben würden;die Thebaner hielt Leonidas als Bürgen für die Treue ihrer Mitbürger,welche sich zur Unterwerfung unter die Perser hinneigten, mit Gewaltfest. So blieben denn bei Thermopylä unter Leonidas übrig 300 Spartia-ten, ungefähr 700 Thespier und 400 Thebaner, im Ganzen etwa 1400Mann. Alle übrigen Truppen zogen unverweilt ab.

Am siebenten Tage Morgens griff ein starkes persisches Truppen-corps Leonidas und die Griechen in der Front an. Sie rückten demselbenentgegen, kämpften wie die Wüthenden, brachten es vollkommen in Ver-wirrung und erschlugen oder drängten einen grossen Theil desselben insMeer. Leonidas fiel, Allen voran kämpfend; die Griechen hielten aber dasTreffen noch mit Erfolg. Bald aber erschien Hydarnes in ihrem Rücken,und nun zogen sie sich an den Wall zurück. Die Thebaner ergaben sichsogleich den Persern; die noch übrig gebliebenen Spartaner und Thes-pier erreichten kämpfend einen Hügel, auf welchem, von allen Seiten vonüberlegenen Kräften umringt, sie ihre Vertheidigung mit der Ausdauerder Verzweiflung fortsetzten, bis sie Alle bis auf den letzten Manu er-schlagen lagen.

Die Muthlosigkeit und der schwache Widerstand der Phocier hattealso die heroische That des Leonidas und der bei ihm gebliebenen Spar-tiaten und Thespier für den Schutz Griechenlands erfolglos gemacht. DenPersern stand der für sie wegen der Nähe des Meeres wichtige Zugangzu Griechenland offen, was wahrscheinlich nicht geschehen wäre, wenndie Phocier dieselbe Tapferkeit und Ausdauer bewiesen hätten wie dieSchaar des Leonidas; zur Festhaltung des Fusspfades waren, wenigstensbis zur Ankunft von Verstärkungen, ihrer vollkommen genug.

Die unmittelbare Folge der Wegnahme der Thermopylen durch diePerser war die Unterwerfung aller griechischen Landstriche und Städtenördlich der-korinthischen Landenge, mit Ausnahme von Phocis, Attikaund der Städte Thespiä und Platäa.

Währenddem handelte die griechische Flotte (aus 271 Dreiruderernund einigen kleineren Schiffen bestehend, mit im Ganzen etwa 41,000 bis44,000 Mann Bemannung) unter dem Oberbefehl des Spartaners Eury-biades ohne rechten Entschluss, da der grösste Theil der SchiffsfUhrermuthlos war. Auf dem Wege nach Artemisium begegnete sie 10 Schiffen