7. Der erste griechisch-persische Krieg. 1 7 J
nehmens, das als eine Angelegenheit des gesammten Reiches betrachtetwurde, bewogen Mardonius und die griechischen Verbannten den Xerxes,den Oberbefehl über das Heer persönlich zu übernehmen , und es wurdebeschlossen, ein allgemeines Volksaufgebot und Bewaffnung der ge-sammten Kopfzahl auszuschreiben und den Feldzug nach Griechenlandebenso auszuführen, wie er bei dem ersten, verunglückten Unternehmendes Mardonius im Jahr 495 beabsichtigt gewesen war, d. h. das Land-heer sollte durch Thracien und Macedonien längs der Küste des ägäischenMeeres in Griechenland einrücken, begleitet von der mit Lebensmittelnbeladcnen Flotte. Um aber einen abermaligen Untergang der Flottedurch Sturm am Vorgebirge Athos zu vermeiden, befahl Xerxes, — nachAngabe der griechischen Historiker (übrigens ziemlich anzuzweifeln), einenCanal, breit genug um grosse Kriegsschiffe durchzulassen, durch dieschmale Landenge zu graben, welche die Halbinsel Athos mit dem Fest-lande verbindet. Vier Jahre gebrauchten die Perser, um diesen Canalfertig zu bringen. Endlich, gegen Ende des Jahres 481, im Winter, ver-sammelte sich das Landheer in der Umgegend von Sardes und im west-lichen Theil von Kleinasien, die Flotte aber im Hellespont. Um das Heerüber den Hellespont zu führen, wurden an der schmälsten Stelle des-selben , zwischen Abydus und Sestus, zwei Schiffbrücken geschlagen,sieben Stadien lang (ca. 1 1 / i Werst = ca. 2000 Schritt). Xerxes selbstbegab sich im Winter nach Sardes und schickte in alle Städte Griechen-lands , mit Ausnahme von Athen und Sparta, Herolde, um ihre Unter-werfung zu fordern.
Bis jetzt hatten die europäischen Griechen, ähnlich wie im Jahre490, nicht daran gedacht, ihre Zwistigkeiten unter einander aufzugebenund sich zu einem festen Bündniss mit einander und zur Ergreifung ge-meinschaftlicher Widerstandsmassregeln gegen die Perser zu vereinigen,obgleich sie längst schon von deren ungeheueren Rüstungen und demZiele derselben Kenntniss hatten. Ein grosser Theil der Griechen war,theils aus Furcht, theils aus Vorsicht, aus Ehrgeiz, oder anderen eigen-nützigen Absichten und Erwägungen zur Unterwerfung unter die Persergeneigt. Nur die Spartaner und besonders die Athener waren fest ent-schlossen, sich aufs Aeusserste zu widersetzen. Die Athener wurden durchviele Gründe dazu bewogen. Sie waren überzeugt, dass im Fall desSieges der Perser sie von deren Rache das Schlimmste zu gewärtigenhatten. Die Erinnerung an den Sieg bei Marathon ermuthigte sie undgab ihnen Selbstvertrauen. Die politische Partei, in deren Händen sichdamals die Gewalt befand, sah in dem Triumph der Perser zugleich denSieg der ihnen feindlichen Partei der Pisistratiden voraus, welche, ausAthen verbannt, sich am persischen Hofe befanden und von den Persernunterstützt wurden. Am meisten jedoch wurden die Athener durch den