170 H- Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander'« d. Gr.
Das persische Heer war trotz seiner Niederlage noch immer bedroh-lich genug, und Athen ungeachtet des Sieges des Miltiades nicht ausserGefahr. Bei Marathon geschlagen, waren die Perser auf ihre Schiffe ge-gangen , rasch um das Vorgebirge Sunium herum nach Athen gesegelt,und hofften dies von Vertheidigern entblösst zu finden und ohne Müheeinnehmen zu können. Miltiades aber errieth ihre Absicht und eilte ohneRücksicht auf die Ermüdung der Truppen so schnell nach Athen, dassviele Soldaten vor Erschöpfung todt am Wege liegen blieben. Aber erkam glücklich vor den Persern bei Athen an und entschied dadurch end-gültig über den Erfolg des Krieges; denn als die Perser im Hafen Phale-rus anlangten und das Heer des Miltiades bei Athen erblickten , wagtensie nicht die Stadt anzugreifen und kehrten nach Asien zurück.
Dies war der Ausgang des ersten Einfalls der Perser in Griechen-land. Der Ruhm , ihn zurückgewiesen zu haben , gebührte in vollemMaasse den Athenern und speciell ihrem verdienten Führer Miltiades.Sein fester Entschluss, die Schlacht im offenen Felde anzunehmen, danndie Perser zuerst anzugreifen, die aussergewöhnliche Schnelligkeit seinesMarsches von Athen nach Marathon und zurück, die vorzügliche morali-sche Verfassung, ja Begeisterung seiner Truppen und ihre hervorragendeTapferkeit, — das waren die Hauptgründe zu der Verwirrung und Nie-derlage der Perser bei Marathon, — für das Fehlschlagen ihres Unter-nehmens gegen Athen zu Lande wie zur See, — und zu der Rettung Athensund ganz Griechenlands. Der Sieg bei Marathon wurde, ausser seinerpolitischen Bedeutung, auch dadurch wichtig, dass er die bei den Grie-chen allgemein verbreitete Meinung von derllnüberwindlichkeitder unge-heuren Streitkräfte der Perser widerlegte, den Griechen Selbstvertraueneinflösste und sie von der Ueberlegenheit eines weniger zahlreichen, aber,gut disciplinirten Heeres in straffer militärischer Zucht, und beseelt vonVaterlandsliebe, Muth und Tapferkeit — über eine gewaltige, aber un-disciplinirte Armee ohne militärische Ordnung und Ausbildung über-zeugte.
§.49.
Zweiter Einfall der Perser in Griechenland unter Führung Xerxes' I.,
480 v. Chr. Schlacht bei Thermopylä. Seeschlacht bei Salamis.
Nachdem der erste Einfall fehlgeschlagen war, wollte Darius per-sönlich einen neuen Feldzug gegen Griechenland unternehmen, aber derTod (486) verhinderte ihn daran. Sein Sohn und Nachfolger Xerxes I.war genöthigt, bei seiner Thronbesteigung zuerst die UnterwerfungAegyptens zu bewerkstelligen; nachdem dies geschehen (484), bereiteteer sich zu einem neuen Feldzug gegen Griechenland, mit dem entschie-denen Vorsatz, es zu erobern. Bei der Wichtigkeit eines solchen Unter-