Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
156
Einzelbild herunterladen
 

] 56 II. Vom Anfang der grieeh.-pers. Kviege bis zum Tode Alexander's d. Gr.

I auf den Kriegsschiffen gar kein Raum für Lebensmittel, Wasser unddie andern auf dem Meere nothwendigen Vorräthe, welche deshalb theilsauf Transportschiffen der Flotte nachgeführt, theils am Lande aufge-trieben werden mussten, 2) wagten die griechischen Schiffe, undselbst die grossen Kriegsflotten sich nicht in grosse offene Meere aufweitere Entfernungen heraus, sondern blieben immer nahe am Ufer,3) landeten bei solchen fortgesetzten Seefahrten die Griechen Nachmit-tags oder zur Nacht am Ufer, schlugen dort ein Lagerauf, ganz wieLandtruppen, häutig sogar die Schiffe ans Land ziehend, holten Brenn-holz, Wasser, Lebensmittel, bereiteten sich ihre Nahrung und schliefen, und endlich 1) waren bei eintretendem Sturm die griechischen Kriegs-schiffe den grössten Gefahren ausgesetzt, nämlich auf dem Meere zer-streut oder von ihm verschlungen zu werden, mehr noch , ans Ufer ge-worfen au demselben zu zerschellen, oder an einander zu stossen undso sich gegenseitig zu zertrümmern.

Die Transportschiffe führten der Flotte Lebensmittel und Vorräthe,wie sie zur See nöthig sind, nach, bisweilen wurden auch die Cavallerie-Pferde darauf transportirt. Im ersteren Falle unterschieden sie sich garnicht von gewöhnlichen Handelsschiffen, wurden mehr durch Segel alsdurch Ruder getrieben, hatten mehr Tiefgang als Kriegsschiffe, undwaren von rundlicher Gestalt (deshalb Messen sie »runde«). Im letzte-ren Falle, d. h. zum Pferdetransport, erhielten sie eine besondere zweck-gemässe Einrichtung.

Da die besten vornehmen und reichen Bürger der griechischenStaaten gewöhnlich in der schweren Infanterie oder zu Pferde dienten,so blieben für die Flotte, wie für die leichte Infanterie nur die ärmerenKlassen der Bürger, Fremde, Freigelassene und Sklaven übrig. In Fällenvon besonderer Wichtigkeit oder äusserster Gefahr traten wohl auch diewohlhabenderen Bürger der besseren Klassen, bisweilen sogar (wie zurZeit des Angriffs durch Xerxes bei den Athenern) die gesammte kampf-fähige männliche Bevölkerung bei der Flotte ein, um zu kämpfen. DieMannschaften für die Flotte wurden gewöhnlich erst vor dem Kriege oderwährend desselben angeworben und dann theilweise in den Häfen, theil-weise während der Seefahrten selbst ausgebildet, was bei der Einfachheitund geringen Zahl ihrer Dienstverrichtungen ziemlich rasch ging. An Löh-nung erhielten sie dasselbe wie das Fussvolk der Landarmee, wurdenaber, wie es scheint, mit viel grösserer Strenge behandelt. Auf denkleinen Kriegsschiffen mit nur einer Reihe Ruder befanden sich gewöhn-lich 50Ü0 Ruderer; solcher Schiffe gab es aber nicht viel. Auf dengrossen mit drei Reihen Ruder, welche die Hauptmacht der griechischenFlotten ausmachten (sie sind unter dem lateinischen Namen Triremensehr viel bekannter) gab es meist 150160 Ruderer, bisweilen noch