(i. Die Griechen. 155
aber hob und vervollkommnete sich. Die Epoche aber der grössten Machtund Berühmtheit der Griechen zur See, ihrer Herrschaft über die griechi-schen und Nachbarmeere ; und der Ueberlegenheit ihrer Marine über diealler damaligen Völker, das war unzweifelhaft der Zeitraum vom Einfallder Perser bis zu Philipp und Alexander von Macedonien. Der erste Be-gründer dieser Macht war Themistokles. Er fasste zuerst den Gedanken,die athenische Republik zu einer starken Seemacht zu machen, und nochzu seinen Lebzeiten wurde dieses Ziel zur Hälfte schon erreicht und derGrund gelegt zu der Macht und den Einrichtungen der Marine der Athener.Oimon und Perikles setzten das von ihm begonnene Werk mit Glück fort,und vom Jahre 470 an bis zu dem unglücklichen Ende des Unternehmensder Athener gegen Sicilien ;413 v. Chr.) war die athenische Republik anMacht und Geschicktheit eine der ersten Seemächte der ganzen damaligenWelt. Das bewog denn ihre Feinde, im peloponnesischen Kriege auchihrerseits ihre Kräfte zur See zu vermehren und zu vervollkommnen. SelbstSparta baute eine Flotte und nahm den Kampf mit den Athenern zurSee auf. So waren fast alle kriegerischen Ereignisse in der zweitenHälfte des peloponnesischen Krieges Seetrefi'en, und der ganze Kriegüberhaupt ward zur See entschieden. In der Folge spielten die griechi-schen Flotten in allen Kriegen der Griechen unter einander, mit denPersern und mit Philipp von Macedonien stets die erste Rolle und nahmenden bedeutendsten Antheil daran.
Trotz alledem war das Seewesen bei den Griechen selbst in dieserPeriode seiner, für die damalige Zeit ausserordentlichen Entwicklungund Vollkommenheit. im Vergleich mit dem heutigen Standpunkt des-selben äusserst ungenügend und dürftig. Die Meere, welche Griechen-land umspülen, mit ihren zahllosen Vorgebirgen und Inseln, mit felsigenund oft ausserordentlich hohen Ufern, und deshalb mehr als andereMeere von plötzlichen heftigen Stürmen heimgesucht, waren allein schonein Grund, dass die Griechen bei aller Gewandtheit in der Küstenschiff-l'ahrt auf kleinen Schiffen, sich nie zu weiteren Fahrten auf grossenoffenen Meeren und auf grösseren Seeschiffen aufschwingen konnten.Ein weiterer Grund hierfür lag in der Construction ihrer Schiffe. Siewaren, wie überhaupt im Alterthum alle Schiffe, zugleich Puder- undSegelschiffe; bei den Kriegsschiffen lag die eigentlich bewegende Kraftin den Pudern, die Segel dienten nur in zweiter Linie zur Aushülfe.Deshalb waren die Schiffe so construirt, dass sie durch die Puder mög-lichst bequem, leicht und rasch, mehr als durch Segel, bewegt werdenkonnten. Sie hatten eine längliche Form (daher ihr Name »lange«),wenig Tiefgang, eine, zwei oder (meistens! drei Reihen Ruder, und imInnern, wie auf dem Verdeck den zur Unterbringung der Ruderer undeiner gewissen Anzahl Krieger unerlässlichen Raum. Dem zufolge war