I 54 II- Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexanders d. (4r.
Bei regelmässigen Belagerungen verstärkten sie auf den angegriffenenPunkten ihre Truppen und Wurfmaschinen, erhöhten die Mauer, machtenhäufige Ausfalle, nahmen zu Minen und Gegenminen ihre Zuflucht, alszu dem zuverlässigsten Mittel, und bemühten sich auf jede Weise, diefeindlichen Mauerbrecher, beweglichen Gestelle und Thürme zu ver-brennen oder sonst wie zu zerstören, oder wenigstens zu verhindern, dasssie die Stadtmauer erreichten, dagegen diese selbst möglichst vor Ver-brennung und Zerstörung zu bewahren. War die Bresche gelegt, sodeckten sie sich in ihr noch hinter Verhauen, Wällen, spanischen Rei-tern, errichteten sogar bisweilen eine neue Mauer hinter der alten.
Bei grossen regelmässigen Belagerungen kamen die hier angegebe-nen Angriffs- und Vertheidigungsmittel je nach Umständen einzeln odersäiumtlich zur Anwendung.
Da nun 1) die Belagerungsarbeiten ungeheuer viel Mühe, Anstren-gung und Zeit kosteten, 2) die Verteidigung dem Angriff gleich stark,in mancher Beziehung sogar überlegen war, und 3) die eroberte Stadt.Garnison wie Einwohner, ein grausames Loos erwartete, indem nämlichdie Stadt gewöhnlich zerstört, Garnison und Einwohner aber erschlagenoder in Sklaverei geschleppt wurden, — so war eben deswegen bei denGriechen, wie bei allen alten Völkern, die Vertheidigung der Städte stetsäusserst hartnäckig, und die Belagerung meist von langer Dauer, undauf beiden Seiten kostete es grosse Opfer an Geld und Menschen.
§• -13-Das Seewesen bei den Griechen.
Das Kriegswesen und die Action der Landtruppen stand bei denGriechen stets in sehr nahein Zusammenhang und in enger Beziehungzum Seewesen und der Action zur See.
Von drei Seiten vom Meere eingeschlossen war das kleine Griechen-land gleichsam nur eine grosse Meeresinsel. Ausser den Bewohnern dermehr inneren Landstriche und Spartas war jeder Grieche, namentlich aufden Inseln, auf dem Meere aufgewachsen und von Kindheit an Seemann,jeder vornehme griechische Bürger musste geschickt sein, die höchstenkriegerischen Stellen, sowohl beim Landheere, als bei der Flotte zu be-kleiden , und fast alle die besten und berühmtesten griechischen Feld-herren waren zu dieser Zeit zugleich die ausgezeichnetsten Flottenfuhrer.Deshalb ist es unerlässlich, hier noch einige Worte über die Einrichtun-gen und Action der griechischen Marine zu sagen.
Ganz zu Anfang und in der Heroenzeit bestand bei den Griechen dieSchifffahrt wohl nur in Seeräuberei, und das ganze Seewesen war in derersten Kindheit. Als sich dann Volksregierungen bildeten, wendetesich die Erstere allmälig dem Handel und seinem Schutze zu, das Letztere