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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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6. Die Griechen. | _|()

nüng erlangt hatten. Eine solche Belohnung ward z. B. nach dem erstenEinfall der Perser von ganz Griechenland den Athenern zuerkannt undnach der Schlacht hei Platäa den Platäern.

Nach dem peloponnesischen Kriege aber, als Luxus und Sittenver-derbniss und Gewinnsucht in den Griechen die bis dahin vorherrschen-den Gefühle der Ehr- und Vaterlandsliebe erstickt hatten, ergaben sichdie griechischen Truppen, in denen die früheren kriegerischen Tugendenerloschen waren, der Unmässigkeit, Zügellosigkeit. Willkür; Unord-nungen und Meutereien kamen vor, und in sittlicher Beziehung gingensie der Auflösung und dem Verfall entgegen. Kegierungen und Feld-herren waren nun oft schon gezwungen, einerseits zu verschiedenen Be-lohnungen zu greifen, grösstentheils in Gelde, um bei den TruppenWetteifer und Beflissenheit zum Dienste zu erwecken, und sie zu kriege-rischen Beschäftigungen, zur Aufrechthaltung militärischer Ordnung undZucht anzuspornen, andrerseits schimpfliche und sogar grausameStrafen anzuwenden gegen Solche, die sich dem Dienste entzogen, gegenFlucht, Verrätherei, Feigheit, Ungehorsam, Empörung, Insubordina-tion etc.

Zur Vervollständigung des Bildes vom Militärwesen der Griechenin dieser Periode müssen noch einige bemerkenswerthe. Punkte in denmilitärischen Sitten und Gebräuchen der Griechen erwähnt werden:

Den Krieg erklärten die Griechen gewöhnlich durch besondre Botenoder Herolde (Keryx), welche vom Feinde für seine ungerechten Hand-lungen oder Beleidigungen Genugthuung forderten und im Fall der Weige-rung eine blutige Lanze und einen glühenden Feuerbrand nebst kleinemAltar überdie Grenze warfen, als Zeichen der Herausforderung zum Kriege.

Vor dem Beginn eines Krieges und einer Schlacht hatten die Grie-chen die Gewohnheit allerlei religiöse und andere Ceremonien zu voll-ziehen, Gelübde, besondere Gebete und Opfer darzubringen, und aus denEingeweiden der Thiere zu deuten. Ausser dem religiösen Zweck hattendiese Ceremonien, namentlich die letzteren, noch einen andren speciellkriegerischen, denn sie dienten den Feldherren als Mittel zur Anreizungder häufig gedankenlosen und widerspenstigen Truppen, die immeräusserst abergläubisch waren, die sich aber ohne Widerspruch demWillen ihrer Führer beugten, wenn derselbe in dieser Weise gleichsameine Eingebung der Götter selbst war. Wurden die Zeichen vor derSchlacht günstig befunden, so stärkten sich die Krieger noch durch einleichtes Mahl, die Führer ordneten sie zur Schlacht, feuerten sie durch eineAnsprache an, und dann sang das ganze Heer laut den Päan, einenSchlachtgesang zur Ehre des Mars, und rückte in die Schlacht beimKlange der Flöten und Trompeten und unter Anstimmung des Kampf-geschreis.