(i. Die Griechen. J39
schon oben dargelegt; — in Griechenland gingen ausserdem noch dieseSöldner stets auf die Seite desjenigen über, der ihnen am meisten zahlte,und halfen so nur reichen ehrgeizigen Männern bei der Ansichreissungder höchsten Gewalt.
In dieser für Griechenland traurigen Zeit bestanden die griechischenHeere vorzugsweise aus Miethstruppen, denn sie wurden aus den armenBürgern und dem gemeinen Volke angeworben. Die reichen Bürger ent-zogen sich dem Kriegsdienste und mietheten sich Stellvertreter aus demPöbel. Die Truppen wurden, wie früher, nur für bestimmte Zeiten, zumTheil aber auch schon dauernd aufgestellt: denn die griechischen Land-schaften und Städte, welche gewöhnlich vor dem Kriege Söldlinge an-warben, unterhielten sie häufig auch während der Friedenszeit.
Den besten Theil der griechischen Heere bildeten in flieser Periodebesondere Eliteschaaren unter verschiedenen Benennungen in denverschiedenen griechischen Staaten. Aus den besten Bürgern auserwählt,kämpften diese Krieger stets mit der grössten Auszeichnung und ent-schieden in Schlachten häufig den Sieg oder brachen den andern Truppendazu Bahn. Solche waren: die Schaar der 1000 auserlesenen Kriegerbei den Argivern, — die Epariten bei den Arkadiern, — die berühmteheiligeSchaar der Thebaner und andere. Die thebanische heiligeSchaar wurde, nach Einiger Meinung, durch einen der thebanischenBöotarchen*) und Mitgenossen des Pelopidas, Gorgias. aus 300 auser-wählten thebanischen Bürgern gebildet und von der Stadt Theben inihrer Burg Kadmea unterhalten und besoldet, nach Andrer und allge-meinerer Annahme von Pelopidas selbst aus 300 der besten thebanischenJünglinge ausgewählt, welche sich als eine geweihte heilige Schaardurch feierlichen Eidschwur verbunden hatten, zu siegen oder zu sterben.Sie wurde in der Schlacht bei Chäronea vollkommen vernichtet (338v. Chr.).
Bezüglich der allgemeinen militärischen Erziehung und Bildung beiden Griechen ist dem bereits früher im vierten Kapitel) Gesagten nochhinzuzufügen, dass zu dieser Zeit in allen Staaten und fast in allenStädten Griechenlands Gymnasien existirten, in welchen die Knabenund Jünglinge ausser gymnastischen und kriegerischen Uebungen nochbesonders in Mathematik und Kriegskunst unterrichtet wurden. Fürdiesen Unterricht wurden besondere Lehrer gehalten. Die theoretischeBelehrung war eng mit der Praxis verbunden. Diese Art der militärischenErziehung und Bildung machte den griechischen Bürger mehr oderweniger geeignet, die niederen und höheren Stellen in den Armeenwürdig zu bekleiden, und daher war auch bei den Griechen nie Mangel
*) So hicssen die obersten thebaniselien Magistratspersonen. Anni. d. Uebers.