5. Die Perser. ] 33
Feindliche Städte nahmen die Perser meist durch List, Verrath. Ein-schliessung, bisweilen auch durch plötzlichen Ueberfall oder Sturm. DieKunst, sie durch regelrechte Belagerung zu erobern, verstanden sie garnicht. Deshalb dauerten ihre Belagerungen gewöhnlich sehr lange.
Im Allgemeinen stand das Kriegswesen der Perser auf sehr niedrigerStufe; daher erfochten sie auch in Kriegen mit den uncultivirten und wil-den Völkern Asiens und Afrikas leicht Erfolge über diese, in Kriegenaber mit den Griechen und selbst mit den rohen Bergvölkern Asiens er-litten sie nur Niederlagen.
Zum Schluss mag aus den kriegerischen Gebräuchen der Persernoch der Art Erwähnung geschehen, wie sie den Krieg erklärten : es wardies die Formel, dass sie durch Herolde vom Feinde Erde und Was-ser, d. h. vollkommene Unterwürfigkeit forderten.
§. 35.Feldzug des Darius Hystaspis gegen die Seythen (513 v. Chr.).
Der bemerkenswertheste aus den Feldzügen der Perser bis zum Be-ginn des grossen persischen Krieges war der von Darius Hystaspis 513v. Chr. unternommene Zug gegen die Seythen, die das Land nördlichvom Pontus Euxinus bewohnten; es war das erste von allen Völkern ge-meinschaftlich ausgeführte Unternehmen der Perser. Zum Vorwanddiente die Rache an den Seythen für ihre in früheren Zeiten wiederhol-ten Einfalle und Verwüstungen in Mittelasien, und für die durch sie ver-ursachte Niederlage und den Tod des Gründers der persischen Monarchie,Cyrus. Der wirkliche Grund war der Ehrgeiz des Darius, und seinWunsch, einerseits durch solchen allgemeinen Völkerzug einen Aufstandder den Persern unterworfenen Völker zu verhindern, andererseits sichin Thracien festzusetzen, um dann seine Waffen gegen Griechenland zu.kehren.
Cyrus hatte die Seythen von der Seite der kaukasischen Landenge an-gegriffen und eine Niederlage erlitten; Darius beschloss, sie von der andrenSeite, von Westen, vom Ister (Donau) her, anzugreifen. Mit einem Heer,dessen Stärke der Ueberlieferung gemäss sich auf 700,000 Mann belief, ginger durch Kleinasien, überschritt den Hellespont auf einer Schiffbrücke,welche von kleinasiatischen Griechen gebaut war, verwüstete Thracienund vereinte sich an der Mündung des Ister mit seiner Flotte von 600 Schif-fen , welche die kleinasiatischen Griechen gestellt hatten, und die ausdem ägäischen Meere herbeigesegelt war. Ueber den Ister schlugen dieGriechen wieder eine Schiffbrücke, und das Heer rückte nach Ueber-schreitung derselben in die weiten wüsten Steppen zwischen Ister undTanais fDnjestr), welche Strabo später die Wüste der Geten, Ptole-mäus aber Niedermösien nannte.