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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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132 II- Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexandev's d. Gr.

ihrer vorzüglichen Reiterei und den Streitwagen agiren konnten. Um denFeind hesser zu umfassen und einzuschliessen, stellten sie ihr Heer ge-wöhnlich in sehr langer Front auf, die Cavallerie auf beiden Flügelu,die Streitwagen standen, um den ersten Stoss auszuführen, vor der gan-zen Front des Heeres. Bisweilen stellten sie auch (wie arii Granikus')die Reiterei vor die Infanterie, oder ;wie bei Issus) das Fussvolk in meh-reren Linien und die Reiterei auf eine der Flanken. Der wichtigstePunkt der Schlachtordnung und die geehrteste Stelle in derselben wardie Mitte, das Centrum. Hier hielt sich gewöhnlich der König selbst, auf,zu Pferde oder im Streitwagen, von seiner Leibgarde und dem ganzenHofstaat umgeben. Zu beiden Seiten standen daneben die auserlesen-sten tapfersten Truppen. Wie das Fussvolk, so kämpfte auch die Reitereiin grossen, enggeschlossenen, sehr tiefen (bisweilen 100 Mann und mehrtief) und wahrscheinlich viereckigen Haufen, zwischen denen die Schützen,Schleuderer, überhaupt die leichten Truppen standen. Der König er-muthigte das Heer durch eine Ansprache, und dann rückte bei Trompe-tengeschmetter und unter starkem Anstimmen des Kriegsgeschreis (dasder König vor Beginn der Schlacht anhub) das ganze Heer vorwärts. DieStreitwagen begannen das Gefecht, hinter ihnen folgte das Fussvolk, dieReiterei umfasste inzwischen des Feindes Flanken. Das Gefecht mitWurfgeschossen war stets sehr lebhaft, und in dieser Beziehung hattendie Perser durch die grosse Zahl ihrer leichten Truppen ein bedeutendesUebergewicht auf ihrer Seite. Aber die grosse Anzahl der Truppen, ihreverschiedenartige Zusammensetzung, die Schwierigkeit ihrer Führungund der vollkommene Mangel an militärischer Disciplin und Schule wa-ren die Ursache, dass bei dem geringsten Unfall an irgend einer Stelleder Schlachtordnung die dort befindlichen Truppen sich zur Flucht wand-ten, und dies genügte meist, um sofort alle übrigen Trappen diesem Bei-spiele folgen zu lassen, so dass es ganz unmöglich war, sie aufzuhalten,zu sammeln, zu ordnen, und die Schlacht wieder herzustellen. Im Falleiner Niederlage zerstreute sich, so zahlreich es auch sein mochte , daspersische Heer augenblicklich nach allen Richtungen, vernichtet ohnejeglichen Widerstand, und auf der Flucht unvergleichlich grössere Ver-luste erleidend, als in der Schlacht, so dass es oft in den nächsten Tagennach der Schlacht so vollständig verschwunden war, als ob es vorherüberhaupt nicht existirt hätte. War es aber gezwungen, in Bergen zitkämpfen, dann bildeten wiederum seine Zusammensetzung und Mengeein schweres Hinderniss zur Erlangung von Erfolgen und verkehrtensich in Nachtheil. Seine Reiterei und Streitwagen waren ganz nutzlos,und die Perser sahen sich genöthigt, nur die leichte Infanterie und einenTheil der schweren zu verwenden, während die Reiter absitzen und infür sie ungewohnter Weise zu Fusse fechten mussten.