128 H- Vom Anfang der griech.-pers. Kriege bis zum Tode Alexander's d. Gr.
Kriegszeiten theils aus Steuern und Abgaben, die rechtzeitig vor demKriege in allen oder einigen Provinzen zusammengebracht wurden, zumgrössten Theile aber aus Requisitionen*) im eignen oder feindlichen Landewährend des Krieges selbst. Wenn mau hierbei einerseits die ungemeineUeppigkeit und den Luxus der persischen Könige, ihres Gefolges und derGrösswlirdenträger und Mächtigen erwägt, und dagegen andrerseits diebei so zusammengesetzten und so ungeheuren Armeen, wie die persi-schen, unvermeidlichen Unordnungen, so kann man sich leicht vorstellen,in welcher Weise die Gegenden verwüstet und ausgesogen waren, durchwelche die persischen Heere zogen, oder in welchen sie operirten, —namentlich wenn der König selbst bei ihnen war.
Bei solchem kriegerischen und eroberungssüchtigen Volke, wie daspersische war, begreift man leicht, dass der Kriegerstand höher im An-sehen stand, als der bürgerliche, und viele Vorrechte besass. DieChiliarcheu (Befehlshaber über 1000 Mannj und Myriarchen (über 10,000Mann) genossen das höchste Ansehen, die Oberbefehlshaber und höch-sten Generale bekleideten die ersten Stufen in der Monarchie, gehörten,nach Herodofs Zeugniss, fast alle dem berühmten Geschlecht derA c h ä in e n i d e n an, oder wenigstens dem Stamme der P a s a r g a d e n,schlössen Ehen mit Personen des königlichen Hauses und waren gröss-tentheils die nächsten Verwandten der persischen Könige. Die ver-schiedenen Rangstufen wurden zwischen ihnen streng aufrecht erhalten;Benennung, Grade und Reihenfolge standen genau fest. Was den Königselber anbelangt, so war er der höchste Gebieter und der absolute Be-fehlende über alle Streitkräfte des Staates.
In moralischer Beziehung waren die Perser, ungeachtet des schonunter ihnen sich ausbreitenden Luxus, noch immer ein kriegerisches undtapferes Volk, leidenschaftlich und geschickt zum Kriege, und die persi-sche Jugend, besonders die der höheren und militärischen Klassen, erhieltnoch, wie früher, eine vortreffliche militärische Erziehung (vergl. §. 15).
Nach Xerxes I. aber, in der Periode der Unruhen, Erschütterungenund Umwälzungen, unter schwachen und unfähigen Königen gingen un-ter den Persern und in den militärischen Einrichtungen des persischenReiches grosse Veränderungen vor sich. Luxus, Weichlichkeit undSitten-verderbniss griffen so um sich, dass dies Volk seinen alten militärischenGeist und seine Tugenden vollständig einbüsste, zum Kriege untüchtigwurde und in jeder Weise dem Kriegsdienste sich entzog. Und die persi-schen Könige und persischen Grossen wuchsen in den Harems auf, erhieltendarin eine unkriegerische weichliche Erziehung, ja die Ersteren befehlig-ten fast nie mehr persönlich ihre Armeen. Da wurde es denn auch bei
*) Nur ist nicht an geordnete Requisitionen im heutigen Sinne zu denken; es warvielmehr ein einfaches Wegnehmen, wo mau Etwas fand. — Anmerk. d. Üebers.