5. Die Perser. 1 27
Die gebornen Perser bildeten den Kern, besten Theil und die Haupt-kraft aller übrigen bier erwähnten Truppen, diese letzteren aber befandensich in demselben Verhältniss zu den persischen Armeen.
Im Fall eines Krieges wurden, je nach Umständen und Notwendig-keit , die stehenden Truppen in grösserer oder geringerer Zahl verstärktdurch Land- oder Provinzial-Aufgebote (Milizen). Hierzuwardie ganze Bevölkerung des Reiches in entsprechender Weise militärischorganisirt: zu Grunde lag dem die Eintheilung nach dem dekadischenSystem in Haufen zu 10, 100, 1000 und 10,000 . und die Vorgesetztenwaren aus der Klasse der Grundbesitzer.
In Fällen von besonderer Wichtigkeit oder unter aussergewöhnlichenVerhältnissen, wie z. B. bei Unternehmungen , welche die Erweiterungder Reichsgrenzen durch neue Eroberungen zum Zweck hatten 'so unterDarius Hystaspis gegen die Scythen, und unter Xerxes gegen Griechen-land), wurde im ganzen Reiche eine allgemeine oder Volksbe-waffnung vorgenommen. Der König rief alle ihm unterthänigen Völkerzu den Waffen und befahl, wie viel jedes derselben an Leuten, Pferden,Schiffen, Lebensmitteln etc. aufbringen sollte, und wo und wann dieArmeen sich zusammenziehen sollten. Nach ihrer Ankunft am Sammel-punkte übernahmen geborne Perser den Oberbefehl über sie, und derKönig unterwarf sie einer Besichtigung. Ganz kolossale Volksheerebrachte Xerxes I. gegen die Griechen auf. Eine interessante Zusammen-stellung derselben giebt Herodot. Er zählt 56 verschiedene Stämme undVölker auf, welche bei der grossen Revue vor Xerxes bei Doriskus inThracien theils zum Landheere, zu Fuss, zu Pferde, auf Kameelen undStreitwagen, theils zu der Flotte gehörten. Unter ihnen befanden sich, wieHerodot sagt: »Indier in Kleidern, die von den Bäumen*) gemacht sind:dieAethiopier, in Löwen-und Pardelfelle gekleidet; die Kaspier in Fläusegekleidet; die Libyer, gingen einher in lederner Rüstung; und ein Wan-dervolk , Sagartier genannt, haben keine Waffen von Erz oder Eisenin Brauch, ausser Dolche, — aber sie haben Schlingen aus Riemen ge-flochten, und wenn sie handgemein werden mit den Feinden, werfen siedie Schlingen aus, und was einer erwischt, Mensch oder Pferd. zieht eran sich; die Meder und Baktrier in reichen Rüstungen; die Libyerin vierrädrigen Streitwagen; die Araber auf ihren Kameelen; die Phöni-zier und kleihasiatischen Griechen in den Schiffen« etc. Dabei zähltHerodot auch auf, wie viel im Ganzen und von den verschiedenen Waffen-gattungen Truppen in des Xerxes Heere waren (s. §. 49); doch scheintdie Zahlenangabe sehr übertrieben zu sein.
Gehalt erhielten die persischen und übrigen Truppen nicht, welchedie persischen Heere bildeten. Die Verpflegung dieser Heere erfolgte zu
*) Von Baumwolle nämlich. Anmerk. d. Uebers.