Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

120 I Von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der griech.-pers. Kriege.

den Sieg. Die Spartaner waren indessen so bestürzt, dass sie zu demdelphischen Orakel ihre Zuflucht nahmen, nach dessen Spruch sie sichentschlossen, ihren Anführer aus einem andern Staate zu wählen, undsich an die Athener wendeten mit der Bitte, ihnen einen Führer zu geben.Die Athener, welche sie nicht in der Unterjochung Messeniens unter-stützen wollten und doch fürchteten, die Götter durch Ungehorsam zubeleidigen, sandten den Spartanern den Sänger Tyrtäus. Unterdessenhatten sich die Messenier durch argivische, arkadische, sicyonische undeleische Hülfstruppen verstärkt, und rückten bald (681) unter des Aristo-menes Führung über die Grenzen Lakoniens, wo sie auf die spartanischeArmee stiessen, welche nur durch korinthische Hülfstruppen verstärkt war.In der sich entwickelnden blutigen Schlacht, in welcher Aristomeneswiederum ungewöhnliche Tapferkeit und besondere Geschicklichkeitzeigte, trugen die Messenier einen entscheidenden Sieg davon, und dieSpartaner, in Abtheilungen geschlagen, erlitten eine solche Niederlage,dass man in Sparta bereits Friedensunterhandlungen mit den Messeniernanknüpfen wollte. In dieser schwierigen Lage richtete Tyrtäus durchdie Macht seiner Gesänge den gesunkenen Muth der Spartaner wiederauf, und sie beschlossen, den Krieg zu erneuern und fortzusetzen. In-zwischen wusste Aristomenes den erlangten Erfolg durch kühn, thätigund geschickt geführten kleinen Krieg auszunützen und verwüstete dieGrenzgebiete und Städte Lakoniens.

Im folgenden Jahre (680) zog ein starkes spartanisches Heer nachMessenien. Aristomenes stellte sich nahe an einem natürlichen Hinder-niss auf, dasTronchä oder der grosse Graben hiess. In der hierstattfindenden Schlacht wurden, in Folge der Verrätherei des durch dieSpartaner bestochenen arkadischen Königs Aristokrates, die Messeniertrotz der heroischen Anstrengungen des Aristomenes aufs Haupt ge-schlagen und grösstentheils niedergemacht. Aristomenes vermochte sichkaum mit den schwachen Ueberresten des Heeres zu retten.

Diese Niederlage schwächte die Messenier so, dass Aristomenes,unvermögend sich gegen die Spartaner im Felde zu halten, alle Städtezu verlassen und sich in der Festung Ira einzuschliessen beschloss. Erwählte diese Stadt aus demselben Grunde, aus welchem die Messenierim ersten Kriege Ithome gewählt hatten: sie lag nahe dem Meeresuferund konnte deshalb aus den Häfen Pylos und Methone leicht mit Lebens-mitteln versehen werden, da die Verbindung mit diesen offen blieb, weil dieLacedämonier keine Flotte hatten. Ganze elf Jahre laug vertheidigte sichAristomenes mit den Messeniern hier tapfer gegen die überlegenen Kräfteder Spartaner. Nicht blos sich auf die Defensive innerhalb der Mauernder Festung beschränkend, führte Aristomenes häufig mit einer kleinenEliteschaar rasche und kühne Züge aus in die von den Spartanern be-