116 I'. Von den ältesten Zeiten bis zmn Beginn der griech.-pers. Kriege.
§.28.Organisation und Geist der athenischen Truppen.
Die zahlreichste und beste Truppe der Athener war, wie bei denSpartanern auch, die schwere Infanterie (Hopliten). Sie führte noch die-selbe Bewaffnung wie im heroischen Zeitalter, deren Hauptbestandtheileein grosser Schild, lange Lanze und kurzes Schwert ausmachten. Siekämpfte nur in geschlossener Phalanx, nicht unter 8 Mann tief. Dasleichte Fussvolk (Psiloi) ward sehr gering geschätzt. Die Reiterei derAthener war sehr schwach (69 Mann) und ziemlich schlecht.
Die Eintheilung und Organisation der athenischen Truppen zu dieserZeit ist nicht genau bekannt, sie scheint im Wesentlichen jener der Spar-taner gleich gewesen zu sein und nur in der Benennung der einzelnenTruppentheile und Officiere abzuweichen. Zu der Zeit, als die Ein-wohner Attikas in 10 Phylen getheilt wurden, ward das athenische Heer,oder besser gesagt, die schwere Infanterie, der Zahl dieser Klassen ent-sprechend, eingetheilt in 10 Chiliarchien, jede zu 1000 Mann undmehr, unter einem Führer, dem Chiliarchen. Zu derselben Zeit wähltejede der 10 Phylen sich ihren eigenen Führer oder Hauptmann, den sieS träte gos nannten. Diese Charge entsprach ungefähr dem spartani-schen Polemarchen. Die 10 athenischen Strategen hatten gleiche Ge-walt, jeder von ihnen führte abwechselnd für die Dauer von 24 Stundenden Oberbefehl über das Heer, alle zusammen bildeten den Kriegsrath.
In sittlicher Beziehung zeigen die athenischen Heere dieselbeMischung von Tugenden und Lastern, welche den Grundzug des athe-nischen Volkscharakters ausmachte. Sie waren ausserordentlich tapfer,aber ihre feurige Tapferkeit war nicht mit jener Standhaftigkeit undAusdauer verbunden, durch welche die spartanischen Truppen sich aus-zeichneten. Der Hang der Athener zu den Genüssen des Lebens war derGrund, dass in ihren Heeren nicht jene straffe militärische Disciplinherrschte, welche die Heere der Spartaner beseelte.
IV.
Die Kriege der Griechen in der Periode vom trojanischen Kriege bis zum
Beginn der griechisch-persischen Kriege.
§.29.Allgemeine Charakteristik der Kriege dieser Zeit.
Während dieser ganzen Zeit führten die Griechen nur innere Kriegeunter einander. Diese Kriege in der ersten Hälfte der Periode (1183 bis750 v. Chr.) sind nichts Anderes, als kleine Geschlechtsfehden der Fürstenund Bürgerkriege der griechischen Stämme. Unmittelbar nach dem tro-janischen Kriege kamen dazu die Einfälle äusserer Feinde, der Dorier