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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 1 (1874) Von den ältesten Zeiten bis zum Tode Alexander's des Grossen : (323 v. Chr.)
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4. Die Griechen. 111

massig, standhaft wären, unfähig zu weichlichem Leben, mannhaft,tapfer, voller Verachtung gegen ßeichthum und Lebensgenüsse, ihr Vater-land feurig liebend, unbedingt ergeben und gehorsam der Regierung,von reinster kriegerischer Ehrliebe beseelt, die nicht sich auf Erobe-rungen richtet, sondern nur auf Verteidigung des Vaterlandes. Um dieszu erreichen, theilte Lykurg das ganze Land in 9000 Theile, die er deneigentlichen spartanischen Bürgern gab und 30,000, die er den Periökenoder Bewohnern Lakoniens zusprach, schaffte Gold- und Silber-münzen ab und führte dafür schwere eiserne ein, verdrängte dieKünste und Wissenschaften aus Sparta, als zu Luxus und Vergnügendienend, schrieb den Spartanern die grösste Einfachheit und grössteMassigkeit im öffentlichen wie privaten Leben, in Kleidung , Nahrungu. s. w. vor, empfahl ihnen nur kriegerische Uebungen und die Be-schränkung auf die Verteidigung des Vaterlandes, verbot ihnenFestungen und eine Flotte zu haben, öfter ein und dasselbe Volk mitKrieg zu überziehen, einen geschlagenen Feind zu verfolgen und Erobe-rungen ausser Landes zu machen.

Der Erziehung der Jugend wandte er seine besondere Aufmerksam-keit zu. Die spartanischen Kinder gehörten vom Tage ihrer Geburt auganz und gar dem Staate, wurden den Eltern fortgenommen und gemein-schaftlich erzogen. Von frühester Kindheit an wurden sie mit . gym-nastischen und kriegerischen Uebungen beschäftigt, an Entbaltsamkeitund Genügsamkeit, an grobe Nahrung und Ertragung von Mangel undStrapazen gewöhnt, zum Gehorsam gegen das Alter, wie gegen ihreVorgesetzten, zur Ehrerbietung gegen Greise wie gegen ihre Eltern ange-balten; unaufhörlich wurden sie gelehrt, dass der Krieg die ehren-vollste und würdigste Beschäftigung, der Tod fürs Vaterland in derSchlacht das höchste Gut sei, und dass Furcht und Kleinmuth für den frei-gebornen Mann das schimpflichste Verbrechen sei.

Der Zweck der lykurgischen Gesetze wurde in jeder Beziehung voll-kommen erreicht: die Spartiaten _ und Lacedämonier wurden das mann-hafteste und kriegerischste Volk Griechenlands, und durch Einfachheitund Strenge der Sitten, durch strengste militärische Zucht und Dis-ciplin und aussergewöhnliche Tapferkeit hervorragend, erlangten sie mitder Zeit und bewahrten für lange in Griechenland den Ruhm, ein un-überwindliches Heer zu sein. Aber in andern Beziehungen erwiesensich Lykurg's Gesetze mehr schädlich, als nützlich. Indem sie die Kräfteder Spartaner aufs Höchste trieben, erweckten sie zugleich in ihnen eineunbegrenzte Ehrliebe und Ruhmsucht, verleiteten sie, bald schon nachLykurg's Tode und trotz seines Verbotes, dazu, ^die Waffen auf äussereEroberungen zu richten, und wurden die Ursache zu häufigen Kriegender spartanischen Bürger. Die Verbannung und Verachtung von Kunst