4. Die Griechen. 109
die Action der griechischen Truppen in der Schlacht vorzugsweise inFrontalstössen, zum Gefecht aber wählten sie sich meist ein nach vornebenes und offenes Terrain, das in Flanken und Rücken aber durchnatürliche Hindernisse gegen feindliche Umgehungen gedeckt war. Ingleicher Weise suchte man auch für das Lager eine Oertlichkeit aus, diemehr durch ihre Lage, als durch künstliche Verschanzung gedeckt undgesichert war.
Die numerisch schwachen, nur mit geringer Last und wenig Trossbebürdeten, aus jungen, an körperliche Uebungen und Strapazen ge-wöhnten, Kriegern bestehenden griechischen Armeen zeichneten sichdurch ihre grosse Beweglichkeit aus. Auf dem Marsche marschirte derrechte Flügel, als der besonders geehrte, gewöhnlich an der Spitze, da-vor und an den Seiten die leichten Truppen und die schweren in derMitte oder zuletzt.
Was Befestigungs- und Belagerungskunst anbelangt, so war dieerstere bei den Griechen noch wenig entwickelt und die letztere konntenoch keine Erfolge aufweisen, wie dies die achtjährige Belagerung vonIthome, die elfjährige von Ira und die neunjährige von Krissa in denmessenischen und dem ersten heiligen Kriege erweisen.
§•24.
Innere Organisation und Geist der Truppen; militärische Gewohn-heiten und Gebräuche der Griechen.
Die militärische Verwaltung, d. h. die oberste Sorge für Alles, wassich auf Rekrutirung, Bewaffnung, Organisation und Ausbildung derArmee und ihre Action bezog, lag den höchsten regierenden Räthen undPersonen der Verwaltung ob. Aber das Recht über Krieg und Frieden,über Abschliessen und Auflösen von Bündnissen stand lediglich demVolke zu und die Verhandlungen hierüber wurden in grossen Volksver-sammlungen geführt und beschlossen.
Die schwächste Seite der militärischen Einrichtungen in den grie-chischen Staaten war die mangelnde Einheit im Oberbefehl über dieArmeen. Gewöhnlich war derselbe auf eine grössere oder geringere Zahlvon Führern vertheilt, welche das Volk jährlich wählte, die eine gleicheGewalt hatten und für die Dauer einer gewissen Zeit in Führung desOberbefehls abwechselten, alle zusammen aber den Kriegsrath bildeten.Oft befanden sich bei den Armeen auch ein oder mehrere der höchstenRegierungsbeamten, zur Aufsicht über die Handlungen der Feldherren,um Eintracht zwischen ihnen zu erhalten, um den Vorsitz beim Kriegs-rath zu fuhren u. s. w. Es war daher die Führung des Oberbefehls,wie sie sich im Zusammenhang mit den Regierungsformen der grie-