106 I- Von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der griech.-pers. Kriege.
Verlusten auf beiden Seiten, von den Griechen genommen worden wäre,— wie Homer berichtet, durch eine grobe List, — nach andern Schrift-stellern, durch Betrug und Verrath. Prianms wurde erschlagen, seineFamilie gefangen, Troja geplündert und von Grund aus zerstört.
n.
Das Kriegswesen bei den Griechen in der Zeit vom trojanischen Kriege biszum Beginn der griechisch-persischen Kriege.
§• 22.Militärische Organisation und Einrichtung im Allgemeinen.
Geschlechts - Fehden, Einfälle nordischer wilder Stämme unterFührung derHerakliden, Ansiedelungen in und ausser Landes. Unruhenund Zwistigkeiten aller Art, welche Griechenland nach dem trojanischenKriege erschütterten, fast während eines ganzen Jahrhunderts (1184 bisllOOv. Chr.), waren die Ursache, dass sich das Kriegswesen bei denGriechen entwickelte. Als aber im U. und 10. Jahrhundert (1100 bis900 v. ChiO die Einwanderungen äusserer Feinde und die Auswande-rungen der Griechen fast ganz aufgehört hatten , bildeten sich allmäligfeste geordnete Staatswesen in Griechenland, und zu gleicher Zeit undin dem Maasse, wie sich in dem Gemeinwesen die Verwaltung des Volksentwickelte, begann auch die militärische Organisation und das Heer-wesen sich zu heben, in Uebereinstimmung mit den Formen und demGeiste der neuen allgemeinen Einrichtungen. Im 6. Jahrhundert v. Chr.stellt sich die Sache etwa so;
Der Kriegerberuf war die oberste Pflicht und das ehrenvollste Vor-recht jedes freigeborenen Bürgers. Die Bürger dazu von Jugend aufheranzubilden, sie dessen Mühen und Pflichten zu lehren und den krie-gerischen Geist im Volke zu nähren und zu heben, das war eins derHauptziele der Gesetzgebung und Verwaltung der griechischen Staaten.Zur Erreichung dieses Zieles wirkten wesentlich mit die Keligion, dieöffentliche Erziehung und die Volksspiele.
Die Religion heiligte den Muth und die kriegerische Tugend underhob die Helden im Jenseits zu Halbgöttern.
Die öffentliche Erziehung der Jugend bestand in verschiedenartigengymnastischen und militärischen Uebungen, welche die Kraft und Festig-keit des Körpers stählten, Behendigkeit und Gewandtheit in Führung derWaffen gaben, und in Anleitung der Jugend zu Massigkeit, Enthaltsam-keit, Geduld, — es wurde der Jugend eingeprägt, das Alter zu ehren,ihm Achtung und Gehorsam zu bezeugen, — endlich entwickelte manmännlichen Sinn, Tapferkeit und Vaterlandsliebe in der Jugend.