4. Die Griechen. 105
kräfte von fünfzehn griechischen Staaten und Hiilfstruppen aus Kreta,Ehodos und andern Inseln, etwas mehr als 100,000 Mann an der Zahl.Der sechzehnte griechische Staat, Akarnanien, hatte , weshalb ist unbe-kannt, überhaupt kein Heer gestellt. Dafür brachte Thessalien allein25,000 Mann auf, d. h. etwa ein Viertel des Ganzen. Die Truppen wur-den in Aulis eingeschifft auf 1 "200 Schiffen ohne Verdeck (mit einem Mast)deren jedes 50—120 Mann fasste. An das trojanische Ufer ansegelnd,auf welchem sich die Trojaner zur Vertheidiguug aufgestellt hatten,machteil die Griechen eine energische Landung und zwangen, da sie inbedeutender üebermacht waren , die Trojaner, sich in die Stadt zurück-zuziehen und darin einzuschliessen, aber sie belagerten diese Stadt nichtvon allen Seiten, sondern schlugen ein gemeinschaftliches Lager amMeeresufer der Stadt gegenüber auf. Die Kunst, eine Stadt durch Be-lagerung zu nehmen, kannten sie nicht und stiessen nun hier dabei aufmancherlei grosse Schwierigkeiten und Hindernisse. Schon vor der Grie-chen Ankunft hatten die Trojaner Nichts versäumt, um ihre ohnehinschon starke Stadt noch mehr zu befestigen und sich mit Bundesge-nossen zu versehen. Aus Karien, Lydien und andern Gebieten Klein-asiens zogen die Hülfsvölker nach Troja heran, und während diese Stadtiingehindert sich so verstärkte und sich von der Seite des Berges Ida herverproviantirte, auf dessen Rücken sie lag, herrschte in dem Lager deszahlreichen griechischen Heeres die äusserste Noth an Lebensmitteln.Es war keine Massregel zur Vorbereitung und Lieferung von Lebens-mitteln aus Griechenland rechtzeitig getroffen worden, und die Umgegendvon Troja war durch die Griechen in der allerkürzesten Zeit ausge-plündert und vollständig ausgesogen, bis auf die weitesten Entfernungen.In dieser äussersten Noth sah Agamemnon sich gezwungen , die Hälftedes griechischen Heeres nach dem thracischen Chersones zu senden, umdort das Land zu bebauen, welches, in Folge der häutigen Ueberfälle vonnordischen Wilden, von den Einwohnern verlassen war. Die vor Trojazurückbleibende Hälfte des griechischen Heeres, die an Allem den äus-. sersten Mangel litt, war noch weniger im Stande, Troja von allen Seitenzu umlagern und die Ankunft von Verstärkung sowie die Zufuhr von Pro-viant zu verhindern, vermochte vielmehr nur mit Mühe die Wegnahmedes Landes, welches sie in der Umgebung der Stadt besetzt hatten, durchdie Trojaner zu verhindern. So vergingen neun Jahre, in.deren Laufedie Actionen auf beiden Seiten sich theils auf den kleinen Krieg, theilsauf Ausfälle der Trojaner, auf mehr oder weniger bedeutende Treffenunter den Mauern der Stadt, oder auf Zweikämpfe der Führer beschränk-ten. Und es ist unsicher, wie lange das Unternehmen der Griechen ge-dauert und wie es geendet haben würde, wenn nicht nach zehn Jahren^1184 v. Chr.) Troja, nach gewaltigein Blutvergiessen und enormen