104 I. Von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der g'riech.-pefs. Kriege.
nachgehend, einen starken Ausfall. Die Folge war ein blutiges Treffen,in welchem Eteokles, Polynices und die ihm verbündeten Könige fielen.Adrastus ausgenommen. Stolz auf ihren Sieg erlaubten die Thebanerden Verbündeten nicht, ihre Erschlagenen zu bestatten, eine nach da-maligen Begriffen höchst grausame, die religiösen Vorschriften ver-letzende und gegen alle Billigkeit verstossende Kränkung. Adrast riefnun die Athener zu Hülfe, und mit ihnen zwang er mit bewaffneter Handdie Thebaner, dem Wunsche der Verbündeten zu willfahren. Zehn Jahrespäter (1215) belagerten die Epigonen, die Söhne der vor Theben ge-falleneu Könige des Peloponnes, diese Stadt abermals, um Rache an denThebanern zu nehmen, nahmen sie ein und plünderten sie, ein Theil derEinwohner ward erschlagen, ein andrer gefangen und in die Sklavereigeschleimt, der Rest wurde gezwungen den Sohn des Polynices zumKönig anzunehmen.
Die erste und bedeutendste allgemeine Unternehmung der Griechenaus dem heroischen Zeitalter war aber der in der Biade verherrlichtetrojanische Krieg (1194—1184 v. Chr.). Das Königreich Troja, an derOst- oder kleinasiatischen Küste des ägei'schen Meeres gelegen, standum 1191 v. Chr. unter der Regierung seines Königs Priamus in vollsterBlüthe und war ein reiches mächtiges Königreich, denn zu ihm gehörtedas alte Phrygien, beide Ufer des Hellespont und die grosse fruchtbareInsel Lesbos. Trojaner und Griechen hatten in dauerndem Verkehr ge-standen , zuweilen freundschaftlich, öfter feindlich, weil ihr Ziel weitmehr Seeräuberei als Handel war. Und mit der Seeräuberei war häufigauch Frauenraub verbunden. Paris, Sohn des Priamus, ward von Meue-laus, / König von Sparta, freundlich aufgenommen, entführte ihm aberseine Frau und seine Schätze. Eine solche Beleidigung, einem der erstenFürsten des Landes zugefügt, erweckte in den Griechen den Durst nachRache und wurde das Signal zu einer allgemeinen Erhebung ganz Grie-chenlands gegen das trojanische Reich. Es kamen noch andere Um-stände hinzu, welche die Griechen sehr zu einem engen Bündniss untereinander drängten. Die griechischen Fürsten hatten schon lange dieNotwendigkeit gefühlt, mit vereinten Kräften den gemeinschaftlichenFeind und mächtigen Nebenbuhler in der Seeräuberei, welche eine Haupt-beschäftigung der Griechen bildete, zu vernichten. Ausserdem trieb sie,raub- und habsüchtig wie sie waren, die Hoffnung auf reiche Beute imtrojanischen Reiche. Endlich genoss Agamemnon, König von Argos unddes Menelaus Bruder, hohen Ansehens in Griechenland und machte sei-nen Einfluss bei Anregung der Griechen zum Kampf gegen Troja, theilsaus Rache für seinen Bruder, theils ans persönlichem Ehrgeiz, mächtiggeltend. Er wurde auch zum obersten Führer des griechischen Heeresgewählt. In Aulis. einem Hafen Böotiens, versammelten sich die Streit-