102 I- Von den ältesten Zeiten bis zum Beginn der grieeh.-pers. Kriege.
Orients entlehnt hatten, die aber der Beschaffenheit Griechenlands wenigangemessen war. Die griechischen Streitwagen (bekannt unter demNamen einfache oder trojanische Streitwagen, zum Unterschied vonden asiatischen oder persischen) waren zweirädrig, hinten offen undniedrig, vorn erhöht und geschlossen, und wurden von zwei, höchstensvier Pferden gezogen. In jedem befand sich ein Wagenlenker und einA p o b a t') oder kämpfender Krieger.
In der Eintheilung, Aufstellung und Kampfesart der griechischenTruppen ist schon eine gewisse Ordnung und Regelmässigkeit sichtbar.Bei allgemeinen Kriegsunternehmungen griechischer Heere wurden sienach Geschlechtern und Stämmen eingetheilt. So zog Achill mit 2500Kriegern gen Troja, die in fünf Corps oder Regimenter, jedes 500 Mannstark, eingetheilt waren. Im trojanischen Kriege kämpften die Griechenin geschlossenen tiefen Haufen, Phalanx oder Pyrgos"), in welchen,nach Homer, Schild dicht an Schild, Helm an Helm geschlossen war,und die Krieger machten in dieser undurchdringlichen Form ihre Be-wegungen mit grösster Stille und Ordnung, nur auf die Stimme ihrerFührer hörend. Ein wesentlicher Theil und Hauptzug der griechischenSchlachten waren die Zweikämpfe der Führer, namentlich derer, welchesich durch hervorragende Körperkraft, Gewandtheit in Führung derWaffen, durch persönliche Tapferkeit oder treffliche Bewaffnung aus-zeichneten. Die Zweikämpfe fanden zu Fnss oder vom Streitwagen ausstatt. Gewöhnlich stand in den Kämpfen jener Zeit die Körperkraftund persönliche Tapferkeit höher im Ansehen, als die Gewandtheit derFührung. Die Fürsten legten mehr Werth hierauf und auf Auszeichnungim Zweikampf, als auf Regelmässigkeit und Ordnung der Truppenbe-wegungen. Homer berichtet, dass in dem griechichen Heer vor Trojastrenge militärische Ordnung und Subordination herrschte, und die Führererhielten dies nicht allein durch ihr Ansehen, sondern auch durch ihr per-sönliches Beispiel kräftig aufrecht. Aber mit dieser Regelmässigkeit undmilitärischen Disciplin ging eine ausserordentliche Rohheit und Wildheitder Sitten Hand in Hand. Mitten im Kampfe brechen die Griechen plötz-lich ab, um die Erschlagenen zu berauben, und der Befriedigung diesesHanges zu Raub und Plünderung opfern sie nicht selten den wichtig-sten Zweck und die vorteilhafteste Wendung der Sehlacht. Mit denBesiegten und Gefangenen aber verfuhren sie unmenschlich.
Ihre Lager waren regelmässig, sie befestigten sie sogar, wenn ihnender Angriff grösserer feindlicher Massen drohte. Zelte scheinen sienicht angewandt zu haben, bei ihren schnellen Zügen lagerten sie unter
*) Einer, der zum Kämpfen absteigt. Anmerk. d. Uebers.**) Ilüp-fo; eine in geschlossenen Gliedern vorrückende Heeresabtheilung, Vier-eck, Zug. Anmerk. d. Uebers.